kleinst-touren in der heimat

statt der grossen pilger-tour durch südfrankreich ‚vertreiben‘ wir schmerz und zeit mit sinnvollen arbeiten in haus und garten. da gibt es genug zu tun, was schon lange getan werden wollte…

aus- und aufräumen von ex-arbeitszimmern, pflanz- und aussä-arbeiten im garten, kleine und grosse renovierungs-arbeiten – diese werden unterbrochen von kaffee und kuchen sowie mini-menüs mit wein-begleitung. da ist bisweilen ein ganz kleiner hauch von camino ist dabei.

statt durch die Petite Camargue mit der annäherung an montpellier sind wir in der heimat unterwegs mit rundwanderungen im kleinformat über die burgruine leofels und an der jagst entlang:

eigentlich am start – arles

geplant war, dass wir gestern mit dem zug in arles eintreffen und die stadt uns schlendernd einverleiben. geplant war, dass wir heute uns aufmachen auf der via tolosana richtung pyrenäen …

so sitzen sind wir daheim und nutzen die gewonnene zeit z. b. zum wandern in der umgebung.

wer lust hat nachzuschauen, wo wir wandern waren, findet das hier unter komoot:

ausgebremst!

das konzert unseres chores wäre eigentlich um diese zeit vorbei und entspannung und zufriedenheit läge über allen sängerinnen und sängern.

auch der rucksack wäre jetzt fast gepackt und allerletzte angelegenheiten des übergangs im haus noch vor uns.

und dann …

ginge es eigentlich bald los: mit dem zug nach arles und dann zu fuss richtung pyrenäen.

aber nun ist alles ganz anders. ein klitze-kleines, aber massenhaft auftretendes virus, merkel und macron haben uns total ausgebremst! nationale grenzen, die wir jahrelang zuvor kaum mehr wahrgenommen haben, haben ihre rot-weissen schlagbäume gesenkt. ausgangsbeschränkungen und -sperren, verschlossene herbergen und cafés und wer weiss was verhindern unseren pilger-weg. das herz will aufbrechen, aber das hirn sagt NEIN.

so bleiben wir in unserem beschaulichen dorf, nutzen die zeit zuhause für allerlei tätigkeiten in haus und garten und geniessen die gewonnene zeit zur muße und muse.

und zu ausgedehnten spaziergängen und kleinen wanderungen – die sind ja noch zu zweit erlaubt. daher findet ihr hier nun kein pilger-tagebuch von arles zu den pyrenäen. aber es gibt immer wieder häppchen wie diese.

wieder daheim!

donnerstag, 09.05.2019
bremen – morsbach

mit zug und bus geht es rasend schnell dorthin zurück wo ich vor über fünf wochen angefangen habe.

dazwischen liegen in diesen 37 tagen viele kilometer (870), viele höhen und tiefen (geografisch von 780 m hinauf auf 960 m und runter zu 10 m), auch gefühlsmässig (besonders der regentag über den ver-wald-wilderten harz zusammen mit der erkenntnis, dass es nicht sinnvoll ist, wenn renate in ihrer situation mit-wandert). dazu gehört haben auch die schönen stunden mit allen kindern und enkelkindern.

dazwischen liegen viele verschiedene zimmer, duschen und betten, in all denen ich immer gut schlafen konnte, mit ihren zimmer-wirtinnen und -wirten und wie sie ihr frühstück mir gerichtet haben. und da sind auch viele verschiedene möglichkeiten abends etwas warmes zu essen. nicht jeden tag, aber immer wieder zwischendurch bekam ich einen guten cappuccino.

zwischen warmen tagen mit viel sonnenschein und kalten tagen, regnete es so richtig eigentlich nur an 1½ tagen, da hatte ich persönlich sehr viel glück.

die füsse und beine habe ich immer wieder mal gespürt – besonders wenn es eine etappe mit der drei an erster stelle in sachen kilometer war. ich habe deutschland erfahren, nein. ich habe deutschland begangen, bin land (natur und kultur) und leuten begegnet. durch vier bundesländer, durch landschaften vom alpen-vorland über diverse mittelgebirge bis in die nordische tief-ebene habe ich die typischen eigenheiten dieser gegenden mir erlaufen. jede hat ihren ureigenen reiz, auch die ganz flache ebene im hohen norden mit ihrem anderen flair – auch für mich, einem der immer zwischen berg und tal gewohnt hat.

ich möchte die tägliche begegnung mit den menschen in unserem land nicht missen. egal ob bayern, franken, thüringer, nieder-sachsen – weiblich wie männlich – sie alle sind mir wohl gesonnen gewesen (wenn auch in wenigen malen mit kommerziellem hintergrund). überall habe ich fröhliche und herzliche menschen getroffen: von der zimmer-wirtin über bus- und auto-fahrer bis hin zu schuster und verkäuferinnen.

nun fühle ich mich in sachen deutschland nun noch viel mehr bewandert und kehre mit all diesem dorthin zurück, wo ich zuhause bin.

der alltag fängt mich schon wieder ganz vorsichtig ein. er war nie ganz entschwunden, die einen oder anderen nachrichten oder auch die sporadisch abgerufenen mails haben mich daran erinnert dass es auch noch ein anderes leben gibt.

und wie auf meinem rückweg von santiago haben mir die kommentare im blog, die SMS und telefonate mit den kindern und renate kraft gegeben. so komme ich wieder nach hause zurück – erfüllter und reicher und dankbar. dafür gebührt mein dank allen die mit und bei mir waren auf diesem weg durch deutschland von kind und kind zu kind.

angekommen in bremen

mittwoch, 08.05.2019
dauelsen – bremen (mahndorf) (29,4 km, insgesamt 869,8 km, 210 m auf, 230 m ab)

ich bin am ziel meiner tour angekommen. es waren etwas mehr kilometer, damit ich wirklich zu fuss in bremen einlaufe – das hielt lisa für wichtig. denn nach der ursprünglichen planung hätte ich (aus unkenntnis) noch in nieder-sachsen meine wanderung beendet und wäre zu früh – asphalt-sparend – in den zug gestiegen. nun bin ich noch eine nacht in lisas WG, bevor ich morgen mit dem zug richtung heimat fahre.

morgen gibt es also noch ein paar interessante begegnungen hier in dieser stelle zu berichten.

nach dem frühstück schnacken wir noch mit den wirts-leuten. ich bedanke mich für das schöne zimmer, das eigentlich eine kleine ferienwohnung ist. welches wir denn gehabt hätten, möchte der sohn wissen und auf die antwort „sieben“ meint er nur „oh, das premium-zimmer“. die zimmer-wirtin murmelt noch ein „das war gerade frei“ hinterher. sie beschreibt uns einen weg, der abseits der hauptstrasse liegt und wir sehen kurz darauf, dass komoot und genau auf diesem weg führt.

immer wieder wandern wir an bahn-strecken entlang und lisa mit ihren grossen zugreisen-erfahrungen schätzt mit grosser freude ab, ob die IC/Es und regional-bahnen in bremen pünktlich abfahren oder ankommen.

oft werden wir an der hauptstrasse (richtung bremen!) entlang geführt, das ist auf dauer nicht nur total asphaltig, sondern vor allem gnadenlos laut. uns tun die anwohnerInnen leid, besonders wenn sie noch zusätzlich an einer tankstelle wohnen (müssen). wie können uns – zumindest immer wieder – ausweich-strecken suchen, wo wir es deutlich ruhiger haben und trotzdem nicht einen sehr grossen umweg haben. daher gehen wir einmal durch ein wohn-gebiet, wo wir dann eine bäckerei finden, in der es einen kaffee gibt. das nützen wir aus! beim gehen dreht die verkäuferin, ob wir auf den jakobsweg wären. ich erkläre kurz was ich, was wir machen und sie meint darauf, sie könne das nicht. erst einmal da fehlende training und dann auch könne sie gar nicht so lange urlaub machen. das sei doch eher etwas für rentner.

an der nächsten kreuzung suchen wir nach weiteren ausweich-strecken, was eine frau hört, die gerade an der fussgänger-ampel wartet. sie beschreibt uns einen weg und, weil sie wegen grün die strassen-seite gewechselt hat, ruft sie uns noch den nötigen rest von dort aus zu. es war ein guter tipp wie wir kurz darauf auf unserer navi-karte feststellen.

dabei fällt mir auf, dass ich in der bäckerei meinen stock habe stehen lassen (diesen in eine ecke gestellt und danach ein schönes gespräch geführt). so lasse ich den rucksack bei lisa und eile zurück ihn zu holen.
wir kommen durch einen schloss-park und sind weg von jedem auto-verkehr.

in baden ist die weser recht nah und lisa schlägt vor, dort nach einem weg zu schauen. wir finden einen und auch die weser und dort einen elegant gekleideten mann an eine info-tafel. er grüsst lisa mit „bon jour, madame“. er beginnt ein gespräch damit, dass er uns mitteilt, er kenne sich gut aus hier und könne und weiter helfen. die wege an den weser-schleifen sind für uns keine option, zu gross wären die umwege, sie wir in kauf nehmen müssten. aber wir erfahren von ihm (in leicht slawischem akzent), dass er einige zeit in frankreich gelebt habe, dann nach übersee ausreisen wollte, aber wegen seiner eltern sie nicht gemacht habe. wer sei legal als ‚gast-arbeiter‘ nach deutschland gekommen und habe sehr lange hier gelebt, wo sein onkel als zwangs-arbeiter einen weser-kanal gegraben habe. wir ziehen weiter und müssen kurz darauf einen sehr steilen! berg hinauf, wenn auch nur für 50 meter.

in achim (der letzten nieder-sächsischen stadt) finden wir in der fussgänger-zone ein denkmal, wo zigarren-dreher bei ihrer arbeit von jemandem vorgelesen bekommen. wir lesen da, dass dies selbst bzw. gewerkschaftlich organisiert gewesen sei. kurz danach spricht uns an einem anderen um zigarren-dreher-denkmal ein mann an, der und den hintergrund dazu erläutert: zu zeiten des zoll-vereins (um 1800) habe bremen diesem nicht angehört. weil darin jedoch die arbeit der zigarren-herstellung billiger gewesen sei, wurden die tabak-blätter vom bremer hafen aus hierher in den ersten ort hinter der grenze zur verarbeitung geschafft. so sei achim bis zum gross-deutschen reich 1871 ein wichtiger ort der zigarren-manufakturen gewesen. darin hätten die arbeiter durchgesetzt, dass ein
des lesens kundiger ihnen bei gleichem lohn während der arbeit aus zeitungen und literatur vorgelesen habe. er weist uns noch auf eine kleine ausstellung im rathaus nebenan hin, wo wir kurz hinein schauen.

über den achimer bahnhof und unter der autobahn durch – wo die wohnhäuser direkt angrenzen! – gehen wir weiter auf bremen zu. dann erreichen wir das orts-schild, von dem ich gleich ein foto machen muss. abseits der hauptstrasse gelangen wir dann zum mahndorfer bahnhof, wo wir zum ende unseres fuss-marsches in die strassen-bahn einsteigen. drinnen vespern wir erst einmal und lassen uns dann ganz gemütlich zu lisas WG bringen.

dort gibt es nach einer dusche einen guten cappuccino, zu dem eine gute freundin zu einer fröhlichen runde dazu kommt. gegen später bekommen wir alle in der WG ein wunderbares abendessen mit einem super reis, einer tollen gemüse-sosse und einem guten westen-salat – und zum abschluss noch ein eis!

tag im aller-tal

dienstag, 07.05.2019
westen – dauelsen (verden) (18,5 km, insgesamt 840,4 km, 130 m auf, 130 m ab)

wir zwei frühstücken in der küche alleine, alle WGlerInnen sind schon unterwegs. thomas, der irgendwo im haus ist, finden wir nicht, so dass wir unseren dank für kost und logis schriftlich hinterlassen müssen.

dann verlassen nicht nur wir unsere privat-unterkunft, sondern draussen verlässt das GPS auch komoot. die zwei finden nicht zusammen und wir orientieren uns nach alter väter sitte nach himmels-richtung (sonnenstand), fluss-läufen (aller) und strassen- zügen (hauptstrasse). erst durch neustart des geräts funktioniert alles wieder kommod, wobei wir da schon fast das ortsende erreicht haben.

in fast gewohnter weise bewegen wir uns wieder in nördlicher richtung auf dem radweg neben einer strasse, kilometer-lang. nur zwischendurch dämpfen kurze abschnitte von hecken den lauten auto-lärm.
so geht es parallel zur aller das tal entlang, wobei wir weder erstere noch letzteres richtig sehen.

das ist erst der fall, als wir von der strasse weg über den deich gehen. wir tauschen nun lärm gegen nässe aus, denn das recht üppige gras ist noch richtig feucht. so kommen wir die alte aller und die aller überqueremd in feuchten bis nassen socken in verden an. zwangsläufig suchen wir in der fussgänger-zone der stadt erst einmal einen wärmeren raum, in dem wir gleichzeitig auch entsprechende getränke und speisen zu uns nehmen können.

auf dem weiteren weg hinter verden erreichen wir sand-dünen als ob wir nun gleich am meer wären. dazwischen stehen faszinierend gewachsene bäume mit unglaublich ausgewaschenen wurzeln. und ringsum wald statt wasser. wir laufen über feinsten sand und sind begeistert von diesem phänomenalen flecken, der heute natur-schutz-gebiet ist.

wie in den aller-meisten märchen wird uns erst beim dritten mal (klingeln) an drei verschiedenen türen die unterkunft aufgetan. die gute fee des hauses beschreibt uns den weg ins zimmer sieben, wo wir uns dann möglichst häuslich einrichten.
zum guten schluss werden wir von den haus-leuten zum restaurant in dauelsen gefahren, so dass wir nach dem guten essen nur die strecke zurück laufen müssen – als hilfe zur verdauung (zusätzlich zum ouzo).

der andere tag

montag, 06.05.2019
stöcken – eystrup – westen (23,3 km, insgesamt 821,9 km, 130 m auf, 150 m ab)

dieser tag ist anders als die bisherigen. es beginnt mit einem sehr seltenen frühstück: es ist üppig und dabei ganz ohne plastik! es geht weiter mit einer richtungs-änderung: ich laufe heute zuerst einmal nach westen statt nach norden, der bahnhof eystrup ist mein erstes tages-ziel. dort kommt kurz vor ein uhr lisa mit dem zug von bremen her an. ich bin eher in eystrup als gedacht und fülle noch meinen geldbeutel etwas auf.

ein junger mann sieht mich und zeigt sich sehr erfreut: „oh, ein wandersmann! toll! sieht man so selten heutzutage.“ damit beginnt es ein gespräch über das wandern an sich, wie es junge leute heute nennen (trekking), die nötige ausrüstung (absolut stimmen müssen schuhe und rucksack) und so weiter.

dann kommt der zug angefahren mit lisa. auch wenn sie leicht kränkelt will sie noch die letzten drei tage zusammen mit mir bis bremen wandern. betonung liegt auf bremen, und nicht nur an die grenz-stadt kurz vor bremen (meine planung ging bis achim, in unkenntnis dessen, dass dies noch in nieder-sachsen liegt).

so laufen wir gemeinsam los, nun richtung norden und nach westen, dem eigentlichen ziel dieses tages. während wir miteinander red…, nein schnacken, fällt mir auf, dass ich viel weniger auf die umgebung achte. trotzdem sehen wir im wald noch die herde von rehen mit mindestens 15 tieren – darunter ein albino – die vor uns den weg überqueren (ausgebrochen?).

wir kommen gut vorwärts, aber der regen erwischt und noch voll. es regnet so kräftig, dass lisa das regen-cape überzieht. nach einer halben stunde ist die nässe von innen überstanden, aber unsere schuhe sind ordentlich nass.

in westen bekommen wir von einem freund von lisa in einer WG ein gästezimmer mit bad. danach haben wir noch eine führung in einem wohn-projekt für gemeinschaftliches wohnen. es ist im aufbau und wird von der genossenschaft AllerWohnen und den nutzerinnen und nutzern gemeinsam getragen und gestemmt. der tag endet mit einem WG-abendessen, wo wir noch einiges interessantes über den ort erfahren (bei allen problemen des ländlichen raumes in bezug auf innovation und nachhaltigkeit sehens-würdig).

wald im hohen norden

sonntag, 05.05.2019
steimbke – stöcken (rethem) (17,1 km, insgesamt 798,6 km,  90 m auf,  120 m ab)

dem offenen-fenster-test zufolge ist es heute morgen nicht deutlich wärmer als gestern früh. so ziehe ich mich wieder vier-lagig an. als ich nach dem frühstück mich auf den weg durch den ort mache, ist es so richtig schön warm. so entferne ich am orts-rand eine schicht und – nachdem ich im wald bin – kommt auch der pulli in den rucksack. es ist ein richtig schöner sonniger sonntag, den ich ganz gemütlich an-laufen lasse.

die wälder hier sind geprägt von den birken. so ist es auch eine solche, die sich quer über den weg gelegt hat. wie an anderen tagen in den mittel-gebirgen muss ich vom weg ab durch das unterholz – nur deutlich weniger aufwendig und mühsam! ansonsten kann ich auch hier, wenn ich stehen bleibe, sie wunderschöne stille hören.

aber mein fotoapparat macht mir immer mehr sorgen. er will nicht starten, sondern teilt mir mit, dass ich die batterien wechseln soll. sie sind jedoch mindestens noch halb voll. mittels tricks kann ich mit etwas anlauf noch fotografieren.

schilder weisen mich darauf hin, dass ich nun ins lichtenmoor komme, das bisher grösste auf meinem weg. wenn wege links oder rechts abgehen, so steht ein schild dran, dass diese verboten sind zu begehen – ein natur-schutz-gebiet. später zeigt mir komoot prompt einen abzweig an, wo keiner ist. es ist nichts zu sehen, was wenigstens einem trampel-pfad gleich kommen könnte. zudem müsste dann auch über den doch etwas grösseren graben ein steg da sein. nichts, das heisst, auf die karte schauen. entweder geradeaus weiter oder zurück bis zum letzten abzweig und dort nach der anderen richtung weiter. erinnerungen an den harz werden wach – nur nicht so bergig und so nass. ein stück zurück ist kürzer, sagt die karte, also drehe ich um und gehe dann immer geradeaus. mal sehen, wie es sich entwickelt.

zuerst einmal höre ich laute ’schreie‘ uns überlege, von welchem tier sie sein könnten. als die sträucher den blick frei geben, sehe ich zwei helle vögel in storchen-grösse, aber mit einem dunkleren hinterteil. reiher? sind zu schnell weg, als dass ich sie richtig anschauen konnte. nun bin ich vorbereitet und beobachte mit gezückter kamera die wiesen durch die sträucher hindurch. ich kann sie schliesslich wieder orten und warte – mich vorsichtig fort bewegend – auf einen kleinen freien blick. als ich den bekomme, ziele ich – und weg sind sie wieder. das foto zeigt nur sehr verschwommen den fliegenden vogel.

mehr erfolg habe ich mit dem alternativen weg. es kommt tatsächlich ein begehbarer wie in der karte angezeigt. gerettet – ich muss nicht noch weiter zurück! nun bin ich so richtig mitten im moor/natur-schutz-gebiet, dass die jäger-stände die einzige zivilatorische einrichtung sind (ausser dem weg). am letzten eck vor dem wieder-treffen der geplanten tour steht eine bank, die zu einem vesper einlädt. das gestaltet sich eher kürzer, da die umgebungs-temperatur sich reduziert hat.

und wieder erinnert es mich an den thüringer wald und an den harz: am wegesrand stapeln sich abgeholzte fichten-stämme. damit hatte ich nicht im geringsten gerechnet. auch hier im hohen norden gibt es wälder, die wirtschaftlich genutzt werden, die dimensionen sind andere.

wie ich den wald verlasse, sind am himmel einige sehr dunkle wolken. ich prüfe die wind-richtung und bereite mich innerlich auf regen vor. der kommt dann auch, so dass ich den foto in den rucksack stecke und diesen mit dem regen-schutz versehe. nach etwa zehn minuten bin ich unter der regen-wolke durch und kann beim nächsten foto-motiv wieder auspacken. auch die sonne ist wieder da. das ganze wiederholt sich dann noch einmal etwa zwei kilometer vor der unterkunft.

an dieser angekommen, gerate ich in eine geschlossene konfirmations-gesellschaft. die zimmer-wirtin geht trotzdem mit mir zu meinem heutigen zimmer und verspricht mir kaffee und kuchen, wenn ich nicht vor drei uhr rüber komme (dann wird auch für die feiernden aufgetragen).

nach einrichten und frisch machen bekomme ich dann auch in einem séparée das gewünschte. sie kommt dann auch kurz dazu und möchte wissen, woher ich heute komme. ich erzähle ihr kurz meinen weg und die meint, mit dem rad wäre es üblicher, aber im vergangenen jahr wären zwei frauen auch zu fuss hier vorbei gekommen. das abendessen verabreden wir auf eine stunde nachdem die feier beendet sein dürfte.

land – dorf – land

samstag, 04.05.2019
abbensen – steimbke (21,5 km, insgesamt 781,5 km, 120 m auf, 130 m ab)

nachdem ich das fenster geöffnet und die luft gefühlt habe, ist mir klar: heute brauche ich – nach dem zwiebelschalen-prinzip – eine schicht mehr. so gehe ich 4-lagig aus den haus. es ist blauer himmel, aber es weht ein sehr kalter wind.

ähnlich wie gestern geht es kerzen-gerade aus dem ort hinaus, an der landes-strasse zuerst mit, dann ohne rad/fussweg. zum glück ist es samstag. in helstorf führt eine brücke über die leine, dann geht es über die wiesen.
zeitweise sind zwischen weg und (raps)feld kleine etwa ein meter hohe hecken gepflanzt. das ist sicher auch wind-bremse, aber es tummeln sich vögel darin. so kann ich einem stieglitz-paar sehr nahe kommen und anschliessend kommen wir ein stück gemeinsam vorwärts: wenn ich zu nahe bin, flattern sie ein paar meter weiter. später sichte ich zwei holz-gestelle in einem acker, sie sich nach ein paar schritten als leibhaftige rehe herausstellen. der wind steht günstig für mich. sie schauen zwar immer wieder nach mir, aber ich kann mit viel vorsicht und langsamkeit doch ein foto von ihnen machen.

der wind pfeift sehr kalt von vorne oder von links her, so dass ich dir hände in die taschen stecke: schön ab abwechselnd wegen des stockes. handschuhe legen daheim – im warmen.

auf einer weide grast eine pferde-herde, darunter eine stute mit ihrem fohlen. es ist toll anzusehen, wie es immer wieder seine typischen luft-sprünge macht.

daneben ist ein spielplatz des schützen-vereins mit einer schön von kindern bemalten hütte, ein wind-sicheres plätzchen für eine pause zum vespern. da kommt ein frontlader her gefahren mit müll-säcken vorne in der schaufel und der fahrer leert den müll-eimer neben ‚meinem‘ rastplatz. als erstes den rucksack sieht meint er „aha, pause. und wohin des weges?“ ich erzähle ihm, von wo nach wo ich unterwegs bin, worauf er antwortet: „und dann kommen se in lutter mit seinen zweihundert einwohnern durch.“ wir reden noch über die schöne gegend in der ebene hier mit ihren prächtigen alleen. zum schluss verabschiedet er sich mit „na, dann kommen se gut nach bremen“, klopft mir auf die schulter, nimmt armen plastik-sack und geht zu seinem fahrzeug.

am mühlen-teich in laderholz sitzt ein (wild?)enten-paar am ufer und nachdem ich genauer hinsehe, erkenne ich drei oder vier ganz kleine küken am bauch der mama.
ihnen gegenüber liegt die mühle mit einem grossen unterschlächtigen mühl-rad und daneben noch ein kleines. eine info-tafel gibt auskunft, dass im letzten herbst hier korn gemahlen wurde, es sei im grossen umkreis die best erhaltendste mühle.

der weg geht weiter wieder absolut geradeaus. der belag besteht hier auf grauem sand, teilweise it er richtig weich. dabei wandere ich durch einen wind-park mit mindestens zwanzig rädern. ein gutes gefühl, nur wenn ich mit weniger als fünfzig metern abstand an so einem ding drunter weg laufe, ist mir schon ein bisschen mulmig.

nachdem heute vormittag nur weisse wolken an blauen himmel waren, sind nun dunklere her gezogen. die ganze zeit über beobachte ich wind-richtung (super zu sehen an den wind-rädern) und wolken-farbe und -grösse. einige der sehr ganz dunklen gehen glücklicherweise an mir vorbei. trotzdem gehe ich etwas flotter. eine recht breite schwarze kommt auf mich zu, es sind keine fünf kilometer zur unterkunft. sie treibt mich nach vorne, nur der wind bremst meinen schritt. dann fängt es an zu tröpfeln. unter einem baum kann ich den stock an den stamm lehnen und den hut an einen ast haben m hängen. so stören nur diverse ohr-anhänge beim überziehen des capes, das ich ja auch über den rucksack bringen muss. und natürlich stört massiv der kräftige wind. schliesslich habe ich es geschafft und kann weiter gehen. lange regnet es nicht und als ich um die nächste ecke biege, ist vor und über mir der himmel wieder blau. zudem komme ich etwas ins schwitzen, so dass ich eine ecke weiter von den fünf lagen zwei (cape und pulli) wieder entferne. das ist so lange angenehm bis der wind wieder auffrischt. aber es scheint wieder die sonne wie den ganzen tag schon – mit der zehn-minuten-ausnahme des schauers.

in der unterkunft esse ich zuerst mein brötchen, das ich auch mitgenommen habe, aber aus gründen der wetter-unbeständigkeit nicht unterwegs verzehren konnte.

zum abendessen im restaurant bin ich erst ganz allein, „jetzt ist abendmahl-feier, morgen ist hier konfirmation“, meint der wirt. dann kommen nach und nach ein paar einheimische männer, frauen kommen vorbei, um letzte dinge für morgen abzuklären. man spürt, hier und jetzt ist dorf. als dann das spiel bremen gegen dortmund angepfiffen wird, geht der fernseher an. auf meine frage nach der frühstücks-zeit meint der wirt nur „alles nach acht ist okay“. für mich auch.

stadt-flucht

freitag, 03.05.2019
hannover – abbensen (17,3 km, insgesamt 760 km, 130 m auf, 150 m ab)

nachdem es schon am gestrigen abend ordentlich laut auf der etage zugegangen ist, wurde es auch heute recht früh recht laut. deutlich vor sechs uhr werde ich vom knallen der automatik-türen geweckt. weiter schlafen ist nur phasenweise möglich, also verlasse ich irgendwann nach sechs mein nacht-lager und fange zu packen an. nun zu einem gemütlichen und ausgiebigen frühstück hinunter. schliesslich noch den rucksack geschultert und meine zimmer-chipkarte abgegeben, dann geht es zur haltestelle.

dort benötige ich nach dem recherchieren fahr-plan für U1 zum hauptbahnhof. zu spät bemerke ich, dass die andere linie, die hier abfährt, sich dahin fährt. das ist der unterschied zwischen theorie und praxis. nach einer längeren fahrt als erwartet, komme ich dort an und suche nun die S-bahn, die mich nach norden als dem häuser- und strassen-meer hinaus fährt. ich suche vergeblich die logos für die S-bahn oder die DB, ich sehe vor mir nur ganz gross ‚parkhaus‘. so frage ich einen jungen mann, der gerade auf dem fahrrad her kommt und neben mir absteigt. nachdem er die kopfhörer abgenommen hat und meine frage angekommen ist, meint er nur kurz „ja, dahinter“ und geht weiter. ich folge ihm nach und entdecke dann das, was ich suche: das logo der DB. das abfahrts-gleis ist sofort gefunden und dort warte ich nur wenige minuten auf die S4, die ich in kaltenweide wieder verlasse.

nun noch kopfhörer und navi installiert, dann kann endlich das wandern los gehen. noch wenige meter, dann sehe ich land, die stadt liegt endlich hinter mir. jedoch geht es kerzengerade und mit einem radweg rechts der bundes-strasse aus dem ort hinaus. bei der autobahn-unterquerung kommt mir ein in sicherheits-klamotten bekleideter radfahrer entgegen. beim vorbei fahren ruft er mir zu: „guten morgen, wandersmann!“ da scheint die sonne doch gleich heller und wärmer, auch wenn real ein kalter nordwest-wind weht.

an die fünf kilometer muss ich nun an dieser anfangs stark nicht belebten, sondern befahrenen strasse entlang laufen. der auto-lärm ist heftig, auch von PKW, wenn es mehr hinter einander sind. etwas mehr als eine  stunde lang geht das so und es ist schwierig zum aushalten. wie geht es menschen, die an so einer strasse wohnen müssen! sich wenn man sich irgendwie arrangiert – der lärm ist trotzdem da. irgendetwas ist doch da faul im staate däne… deutschland!

in scherenbostel darf ich endlich weg von dieser strasse. und ich darf wieder durch wald laufen, hier im norden deutschlands. an den weg-zeichen sehe ich, dass ich mich nun auf dem europäischen fern-wanderweg E1 befinde.

aber auch den verlasse ich und finde in der folge auf einer wald-lichtung einen ’schreber-garten‘, in dem ein mäh-roboter gerade unterwegs ist. ich beobachte ihn, was jedoch auf ihn irritierend zu wirken scheint. das gelände ist frei, der jedoch nimmt von der kinder-schaukel die halte-stange ins visier – frontaler zusammen-stoss! er denkt wohl kurz nach (algorithmisch), fährt dann weiter und nimmt aber ums haar die andere mit. mäh-fähig?

in brelingen bestaune ich eine über 20-köpfige pferde-herde. dann ändere ich die route durch die stadt hindurch, um die chance auf einen kaffee zu erhöhen. diesmal erfolglos – trotz einholen einer zweit-meinung. und eine bratwurst vom stand macht mich gar nicht an.

hinter dem ort geht es über wiesen weiter. dabei umfliegen mich tief fliegende schwalben, teilweise im sturz-flug und kommen mir auf knappe zwei meter nahe. ich scheuche wohl mücken auf dem weg auf, was die vögel dann nutzen. schwarze, aber überschaubare wolken ziehen über mich weg und es tröpfelt immer wieder ein wenig, zwischendurch scheint dann auch wieder die sonne.

mein ziel ist in sicht, abbensen ist ein kleiner ort, die unterkunft ist sofort gefunden. dort werde ich um zwei uhr begrüsst, wie wenn ich erwartet werden würde. nach einer dusche und einem kleinen nickerchen (nachholen von etwas schlaf der letzten nacht) mache ich mich ganz langsam fertig zum abendessen im restaurant nebenan. während ich esse kommt ein älterer herr vorbei (ich vermute der mann meiner zimmer-wirtin), kommt auf mich zu mit einem „die sind sicher unser gast drüben“ und drückt mir die hand. vor dem bezahlen will auch der wirt etwas zu meiner wanderschaft erfahren (ich habe gehört…).

zwischen zwei gross-städten

donnerstag, 02.05.2019
hildesheim – hannover (bus, dann 19,6 km zu fuss, insgesamt 742,7 km, 160 m auf, 220 m ab, dann strassenbahn)

um massives asphalt-laufen zu vermeiden, habe ich gestern abend noch nach dem weg zum bus und dem fahr-plan aus hildesheim hinaus geschaut. der weg zum dammtor ist einfach, aber dort gibt es vier halte-stellen gleichen namens. nun muss ich die finden, die zu meiner endstation ‚himmelsthür‘ passt. die habe ich, aber es kommt kein bus oder nicht der richtige. also schaue ich nochmals nach und mir fällt auf, dass hier, wo ich warte, nur die linie 101 hält, das ist die nacht-linie. wo hält nun die linie 1? in dem moment hält ein junger radfahrer an der halte-stelle, den ich frage. er zeigt mir auch gleich die richtige, ich gehe rüber und kurz darauf kommt der richtige bus. ich steige eine station früher aus, im ‚güldenen winkel‘ und bin genau dort wo das navi seinen start hat.

zwei ecken weiter bin ich hinter den letzten häusern, ziehe meinen pulli an und dann über weite wiesen-flächen. die wege sind nur andeutungen, anders laufen wäre auch möglich. später lese ich auf einer karte, dass dies einmal ein truppen-übungs-platz der bundeswehr war. heute ist es landschafts-schutzgebiet.

hinter dem ort giesen, unmittelbar hinter dem letzten häusern befindet sich ein künstlicher riesen-berg (100 m hoch?) aus weiss-grauem gestein. es sieht nur schrecklich und bedrohlich aus. später erfahre ich, dass hier ein kali-werk war.
die innerste begleitet mich wieder, sie ist etwas gewachsen. in sarstedt frage ich nach einer bäckerei und werde in die fussgänger-zone geschickt. frisch gestärkt versuche ich der innerste hinterher zu kommen, aber bei ruthe wird sie von der leine einverleibt.

in den leine-auen verläuft der weg zwischen den alten kies-gruben durch. heute sind sie renaturiert und vogelbrut-gebiet bzw. erholungs-raum. im leine-tal komme ich auf die ersten vor-orte der niedersächsischen landes-hauptstadt.

an der halte-stelle rethen-steinfeld versuche ich, am automaten eine fahrkarte zu bekommen. bei den ziel-orten ist der meinige nicht dabei, auf dem liniennetz-plan sind die zonen nicht ersichtlich, auch weil das display nicht gerade das sauberste ist. ich will gerade irgendeine fahrkarte anfordern, da fährt eine strassen-bahn ein. ich eile zur tür und wage bis sie aufgeht. da sagt hinter mir eine frau auf einem fahrrad „drücken“und zeigt auf einen knopf. prompt geht die tür auf. der fremde in der stadt ist da leicht überfordert, das rechtfertigt dann vielleicht auch die schwarze fahrt.

wieder zurück auf dem weg dünne ich rasch die unterkunft, aber in den gebäude-komplex nicht gleich die rezeption. ich zahle und bekomme eine chip-karte, dann geht’s in ein anderes gebäude, wo ich ganz oben mein zimmer finde.

zum abendessen finden frage ich eine einheimische, die mir als einziges restaurant das in einem grossen möbelhaus nennt. weil ich mit einer zweit-meinung schon erfolgreich war, frage ich nochmal. auf für bayrisch bekomme ich drei restaurants erklärt. oder ob es mehr burger oder in die richtung sein soll? ich lehne deutlich ab. so meint er nur noch, für einen schwaben sind auf alle fälle seine vorschläge was mögliches. „pfiadigott“.

nach einem guten essen komme ich gerade so in die unterkunft, dass ich vom einsetzenden regen nicht mehr be/getroffen bin. glück gehabt.

ankunft in der ebene

mittwoch, 01.05.2019
bockenem – hildesheim (25,9 km, insgesamt 723,1 km, 340 m auf, 400 m ab)

die zimmer-wirtin verabschiedet sich mit einem guten frühstück, ein paar prospekten und einer kurz-unterhaltung über die kirche. noch bevor der ort zu ende ist, ziehe ich mich wärmer an. ich wandere über die felder und sehe in einiger entfernung ein reh, das in meine richtung schaut. ich bleibe stehen und so stehen wir beide – aufgrund der distanz nicht ganz auge in auge – längere zeit da. ich erkenne noch ein zweites und versuche ganz langsam weiter auf sie zu zu gehen. aber bald springen sie weg.

vor dem nächsten dorf kommt mir ein radfahrer mit seinem hund entgegen. letzterer kommt auf mich zu und bellt mich an. er ruft ihn zurück und meint zu mir: „aber schon früh unterwegs“, worauf ich antworte „sie auch“. daraufhin er „aber sie scheinen schon länger unterwegs zu sein“. ich erzähl ihm, wo ich gestartet bin und er meint trocken „bei den wetter läuft sich’s gut“. ich erwähne das regen-wetter vom sonntag durch den wald. er meint dann, der regen sei dann so unangenehm. er sei an dem tag auch von einer kalten dusche überrascht worden und wendet sich zum gehen. ich antworte noch „da hilft dann nur noch ne heisse dusche“. er grinst und wünscht eine gute wanderung.

später komme ich am gut söder vorbei, ein herrschaftliches anwesen mit landwirtschaftlichem inhalt. ich gehe auf das tor zu, um das schild daran lesen zu können: „zutritt verboten, seuchen-gefahr“ in den moment ertönt ein (schreck)schuss. war das nun zufällig oder eine echte warnung? ich zieh mich zurück und nehm den weg durch die herrschaftliche allee – obwohl es hier auf dem schild heisst ‚kein wanderweg‘.

und dann geht es noch einmal (relativ) hoch hinauf zum feldberg (266 m). an einer bank lege ich eine pause zum vespern ein. irgendwann entdecke ich jedoch sehr viele potentielle nahrungs-konkurrenten, so dass ich mich mehr abseits stelle.  eine der waldameisen hat trotz abschütteln einiger artgenossen bereits knie-höhe erreicht.

danach erreiche den letzten wirklichen berg-gipfel ‚am galgenberg‘. danach geht es nur noch abwärts mit einem phantastischen panorama des tales der innerste mit seinen dörfchen, raps-feldern, äckern und wiesen. ich bin da bis ins innerste angerührt.

in klein düngen suche ich den komoot-weg in drei verschiedenen hof-einfahrten. bei zweien begrenzen klare mauern und zäune das weiter kommen. bei der dritten treffe ich wenigstens aus menschen. die klären mich auf, dass da früher ein weg gewesen sei, aber jetzt privat-besitz sei. und sie erklären mir wie ich auf anderem wege weiter komme.
bei dem anschliessenden bahn-übergang sind die schranken grundsätzlich geschlossen, sie werden auf anmeldung geöffnet. es kommt kein zug, ich quere so.

auf einem wunderschönen weg direkt an der innerste entlang, sehe ich vor mir jemand, der sein fahrrad schiebt. ich gehe einen kleinen tick schneller, daher komme ich der person langsam näher. es ist ein mann in etwa meinem alter, der sein rennrad schiebt. ich überlege, ob das rad einen platten hat oder noch heftiger kaputt ist… dann bin ich direkt hinter ihm, es sehr sich um und meint „gehen sie vor, sie sind schneller“. ich antworte „aber nur wenig“, worauf wer sagt, dass es darauf nicht ankomme. „bei schönen wegen schiebe ich immer, dann bin ich langsamer und kann dann mehr geniessen“. dem kann ich nur zustimmen. und das von einem renn-radler!

der weg geht weiter auch durch belebte pferde-koppeln durch und bald erreiche ich hildesheim. zuerst einmal geht es vorbei an seinen schreber-gärten, dann nach etwa 500 metern asphalt am hohnsen-see, bei dem das pralle 1.mai-leben pulsiert.

dann sind es nur noch 200 meter asphalt auf der grossen venedig bis zur unterkunft.

wetter und weg werden wieder nette-r

dienstag, 30.04.2019
seesen – bockenem (17,7 km, insgesamt 697,2 km, 90 m auf, 180 m ab)

seesen ist historisch dabei: gestern in alten fritz gespeist, heute am wilhelmsbad vorbei gegangen und dann über den friedhof den ort verlassen. anschliessend geht es kilometer-lang auf dem radweg rechts der strasse über bornhausen (hinweis-schild auf wilhelm-busch-haus) bis rhüden. dort nehme ich mir in der bäckerei am ort zeit für einen cappuccino.

bereits vor rhüden verläuft meine strecke auf der ehemaligen nettetal-bahntrasse. vor bornum fallen mir auf einem abstell-gleis völlig neue güterwaggons im ähnlichen stil wie langholz-waggons auf. im verlauf des weiteren wegs stehen ebenso völlig neue kessel-waggons auf einem gleis und in einer offenen werkshalle sehe ich alte exemplare dieser waggons. das macht mich neugierig. ich sehe zwei arbeiter und spreche sie an. sie sanieren hier tatsächlich die alten kessel-waggons, lackieren sie, überziehen sie innen mit einer dicht-schicht und beschriften sie. gerade läuft bei einem die dichtigkeits-überprüfung. wer sie dann abnimmt, konnte der mann mit nicht sagen, wohl nicht die DB.

nach dem ort gehe ich zur abwechslung links der strasse auf dem radweg, aber immer im tal der nette. und so ist auch die umgebung und das wetter. einmal sehe ich einen zug richtung sanierungs-werk fahren, eine kleine rangier-lok mit knapp zehn waggons.

nach einem tag mit sehr gemütlichen wandern erreiche ich meinen zielort und nutze die erste bank aus um mein letztes vesper zu verdrücken. an der unterkunft werde ich wieder einmal mit „der wanderer ist da“ begrüsst. ich bekomme den schlüssel in die hand und die örtlichkeiten gezeigt. nach dem gestrigen schlamm-tag bekommt meine hose auch eine dusche. sie ist danach zwar nicht hausfraulich sauber, aber der gröbste dreck ist weg.

als ich nach ihrem trocknungs-fortschritt schaue, steht plötzlich der ehemann der zimmer-wirtin vor mir. ob ich wüsste, dass ich hier auf historischem boden stehe. die firma weule hätten hier kirchturm-uhren hergestellt und glocken gegossen. ob ich das römische zeichen die 4 kenne. die l vor dem V. aber es gibt auch eine andere schreibweise: ‚llll‘. stimmt, die habe ich irgendwo auch schon gesehen und mich gewundert. ich frage nach und erfahre, dass beides richtig ist, die ‚IV‘ ist nur gebräuchlicher. öfters sieht man die ‚llll‘, aber vielen fällt das auf dem ziffern-blatt überhaupt nicht auf. er macht mich noch auf ein glocken-spiel im ort aufmerksam und gibt noch einen witz zum besten: der vorletzte papst, nicht mehr ganz so fit, will saunieren. man sagt ihm, heute sei aber gemischte sauna. er darauf „das ist kein problem, mit den paar protestanten nehme ich es noch auf.“

ich gehe anschliessend noch in die stadt auf die suche nach dem glocken-spiel, einem restaurant und einem ruhigen örtchen zum telefonieren. zum ersten komme ich nur kurze zeit zu spät. zum zweiten finde ich nur geschlossene. ich frage einheimische, die gerade ihren briefkasten leeren. sie nennen mir noch eine und beschreiben den weg. auf diesen mache ich mich und plötzlich kommt es mir den fahrrad an und begleitet mich dann zu fuss. er erzählt, dass wir uns hier auf historischem boden bewegen. die strasse hier heisst ‚tilly-schanze‘ – nur wenige kilometer von her, bei lutter am barenberge habe tilly mit seinem (katholischen) kaiserlichen heer die (protestantischen) dänen geschlagen. daraufhin würden alle (wieder) katholisch. in den moment kommt seine frau un auto her gefahren. sie meint, sie müsse schauen, ob das restaurant wirklich auf habe. den sonst müsste man nach was anderem schauen. sie fährt weiter und kommt mit positivem bescheid zurück.

zum dritten finde ich nach dem essen bei den seen vor dem stadtbad ein ruhiges plätzchen, wo ich mit renate telefonieren kann. wir vereinbaren, dass sie nicht her kommt, sondern daheim bleibt.

im regen über harvester-harz

montag, 29.04.2019
osterode – seesen (32 km, insgesamt 679,5 km, 310 m auf und 80 m ab sowie 350 m auf und 660 m ab) total-unterbrechung von komoot, dadurch 2 teil-etappen

in der ersten regen-freien stunde sehr ich mitten in der prärie einen mit oster-eiern bestückten baum -einer der ganz wenigen lichtblicke des tages. es fängt leicht  zu regnen an und nur den rucksack muss ich einpacken, mir reicht noch die wind-jacke. den pulli habe ich da schon an, weil es kalt ist.
unterwegs sehe ich in folie eingepackte baumstamm-stapel. einem hinweis zufolge ist darin holz eines unwetters im vergangenen jahr. die säge-werke konnten nicht alles verarbeiten, daher hat man es zur längeren lagerung eingepackt. später fallen mir noch mehr dieser riesen-pakete auf.

in der zwischenzeit habe ich mein regencape übergezogen. die tour verläuft lange zeit noch auf forst-wegen, worüber ich froh bin aufgrund des dauernden land-regens. mein navi meldet einen abzweig auf einen waldweg, wir gewohnt teste ich, welches die richtige richtung ist. dann stecke ich das handy in die hosentasche wie hundertmal vorher. zwei- bis dreimal hat es da schon gemacht ohne probleme. dieses mal starte ich auch wieder komoot und mir wird meine GPS-stelle in der landschaft genau gezeigt. so weit so gut, nur ist nun meine geplante tour nicht mehr da. und ohne diese wird es schwierig, so muss ich sie neu laden. (aus diesem grund sind oben in der statistik zweifache angaben vorhanden.)

ich gehe weiter auf dem von den forst-maschinen ausgewühlten weg. bei der nächsten abzweigung leitet mich komoot auf einen weg, der mit rot-weissem band abgesperrt ist. ich schaue auf die karte, aber der andere weg führt letztlich in die entgegen gesetzte richtung. was nun?

da ich keine maschinen höre, gehe ich mit aller vorsicht weiter. bis die ersten fichten-stämme quer zum weg im hang liegen. unter dem ersten komm ich noch relativ leicht und sicher durch, aber dann ist schluss: dichtes reisig der gefällten bäume macht den weg unpassierbar. und wieder, es nun? auf der karte finde ich einen weg oberhalb, der mich wieder zur tour bringt. so steige ich den hang oberhalb der gefällten fichten durch den wald hoch, erst steil, dann quasi schräg nach vorne. schliesslich komme ich auf dem – total von forst-maschinen geschädigten und vom regen weich eingeschlammten – weg an. „welche freude!“ diesen weg muss ich nehmen!

teilweise geht es auf, mehr an wegen, aber meistens versuche ich im wald in sicht-weite des wegs voran zu kommen. betonung liegt auf ‚versuche‘. mein cape trage ich schon eine weile nicht mehr, um sicherer durch den wald es zu kommen. aber auch so finden sich viele hindernisse und stolper-fallen: viele junge bäume, viel herum liegendes reisig, viele brombeer-ranken o.ä. im zick-zack-gang stolpere ich durch den regen-wald. nicht nur mein hut hat boden-berührung.

so erreiche ich die kreuzung, wo ich auf meine tour wieder treffe, da aber finde ich ein schild vor: ‚umleitung‘. laut navi sind es noch neun kilometer bis zum ziel. ich habe eigentlich keine lust weiterhin so vorwärts zu kommen wir bisher. ich schaue mich um – und entdecke eine tafel für wanderer und radfahrer: ’seesen bhf. 9 km‘. in dieser richtung zeigt auch die umleitung und es ist eine forst-strasse.

froh um den weg bin ich, der regen bleibt mir erhalten. meine füsse baden schon einige zeit in den schuhen, die hose ist nass bis kurz unter die knie. an einer wanderhütte, die eine überdachte veranda hat, vespere ich, zum trinken muss ich mich eher zwingen – zu viel wasser ist um mich herum. unten ab der strasse angekommen, entdecke ich einen wander-pfad, der mich vor dem asphalt rettet. er führt mich zwar später auch nochmal über einen harvester-schlamm-trail, der sich jedoch von der länge her in grenzen hält. auch hier ist wieder wald-stolpern angesagt.

nach einem stück wohn-strasse erreiche ich meine alte tour und komme auf dieser über einen offiziellen bahn-übergang endlich zu meiner neuen unterkunft. im zimmer trenne ich trockenes vom nassen. auf, an, vor und unter der heizung wird letzteres untergebracht. für die schuhe hole ich mir alte zeitungen. dann stelle ich mich unter die heisse dusche – ausgiebig!

zum essen muss ich dann wieder raus, glücklicherweise hat der regen aufgehört. so komme ich in frischer hose und noch feuchten schuhen aber ansonsten trocken zu einem essen. wieder zurück stopfe ich die schuhe neu aus, in der hoffnung, dass sie morgen wirklich ganz trocken sind.

hallo harz: heftiger holz-einschlag durch harvester

sonntag, 28.04.2019
brochthausen – osterode am harz (27 km, insgesamt 647,5 km, 380 m auf, 310 m ab)

nach dem aufwachen schau ich gleich zum fenster hinaus: es regnet, aber deutlich weniger als gestern. der sympathische zimmer- und gast-wirt drückt mir zum abschied die hand und wünscht eine gute wanderung. die habe ich anfangs auch – ohne feuchtigkeit von oben!

dann erlebe ich an diesem sonntag-vormittag einen tag der tiere: zuerst rennt direkt vor ein feldhase aus dem unterholz auf den weg und versucht erfolgreich schneller zu sein als ich. der kann sicher gerade vom fuchs, dem er ‚guten morgen‘ gesagt hat. später lässt mich ein buchfink-weibchen, das auf einem niedrigen ast sitzt bis auf drei bis vier meter herankommen. ich habe die kurze distanz dann doch länger ausgehalten, es fliegt davon. kaum bin ich ein stück weiter, springen zwei rehe vor mir über den weg. ich weiss nicht, wer sich mehr erschreckt hat. schliesslich treffe ich eine schafherde in einem gatter, in dem eines kräftig ruft. ich antworte mit „jaaa“, was mehrmals hin und her geht. dann könnt es richtung weg gelaufen. bis ich meinen foto-apparat gerichtet habe und fotografieren will, sehe ich, da saugt ein lamm. und nach dem ersten bild bemerkte ich ein zweites. die trinken um die wette bis die mutter nicht mehr will und sich weg dreht.

auf dem weiteren weg finde ich ein schild ‚butterloch‘: wegen anhydrit im untergrund (S21 lässt grüssen!) sackt oben der boden ein. weil der kaum wasser durchlässt, füllt sich das loch damit und in der folge wachsen verschiedenste pflanzen, die dann zu humus werden. aber pflanzen siedeln sich dann an. das natur-schutz-gebiet heisst offiziell „NSG Finnenbruch, Großes Butterloch und Schwimmende Insel“ – so richtig gesehen habe ich nichts von den dreien.

hinter pöhlde gehe ich auf dem radweg richtung herzberg. gleich hinter dem ort überquere ich auf einem eisenbahn-viadukt die oder. hier!

ich komme dann in herzberg am harz an, wo ich fast an einer fussgänger-zone vorbei laufe. ich drehe ab und frage einheimische nach einem offenen bäcker oder café – mit erfolg. der lohn des umwegs ist klar: cappuccino und ein stück kuchen, es ist ja sonntag.

am orts-ausgang stellt komoot mich wieder vor die herausforderung einer gleis-überquerung ohne bahn-übergang. ein schild ‚überqueren der gleise verboten‘ lässt mich aufs navi schauen, ich bin etwas zu weit gelaufen. also 50 meter retour und noch einen versuch starten. kein schild da, ich schau die schienen an: rundum rostig. zur sicherheit nach links und rechts geschaut und drüber. anschliessend wandere ich ein langes stück an dieser bahn-linie entlang und es kam kein zug.

danach führt mich der weg leicht bergauf in den harz. da wird der weg immer schlechter und schwieriger. schwere forst-maschinen haben den boden auf den wegen dermassen kaputt gemacht, dass ich mir in mühseliger klein-arbeit meinem weg auf dem offiziellen weg und drum herum suchen muss. der regen hat ein übriges getan, er hat das ganze schlammiger gemacht und die kuhlen mit wasser gefüllt. zudem sind auf weiten stücken des wegs nicht nur viel rest-reisig liegen gelassen worden, sondern auch viele mehr oder weniger dünne rest-stämme. hauptsache schnell und effektiv die verwertbaren dicken stämme rausgeholt – rücksichtslos und ohne respekt vor der natur des waldes. und der wanderer! mit genauem hinsehen und überlegen, wo ein halbwegs ordentlicher tritt möglich ist und mit grossem stock-einsatz komme ich auf, am und abseits des weges stark verlangsamt voran.

am orts-anfang von osterode ist der boden wieder aufgewühlt, aber dezenter und mit weniger massivität. bei genauerem hinsehen entdecke ich ein – hier haben wild-schweine nach nahrung gebuddelt.

beim letzten stück abwärts kommt mir eine frau entgegen, die meint „sie haben’s gut, sie können herunter gehen“. als ich ihr sage, das gehe in die knie, entgegnet sie: „hoch zu geht auch auf irgendwas, gerade in unserem alter“. und setzt hinterher: „ich hätte dazu nicht zustimmen sollen“. dann wünscht sie mir noch einen „guten tag“. dem kann ich nur noch ein „danke – ihnen auch!“ hinzufügen.

von thüringen nach nieder-sachsen

samstag, 27.04.2019
leinefelde – brochthausen (28,8 km, insgesamt 620,5 km, 500 m auf, 670 m ab)

der auszug aus der unterkunft gestaltet sich etwas holprig: wir haben gestern keine übergabe besprochen. kurz nach sieben uhr bin ich fertig, schliesse das zimmer ab und klingle drüben einmal, zweimal – aber nichts rührt sich. ich möchte jedoch fort, weil wieder am nachmittag regen angesagt ist. so gehe ich zurück aufs zimmer und schreibe eine nachricht mit der mail-adresse für die rechnung, den schlüssel lege ich dazu.

sodann nehme ich einen etwas anderen weg zum ort hinaus, zum frühstück über den kreis-verkehr und dort nach rechts. am ende des industrie-gebietes steht eine grosse bäckerei. es gibt keine frühstücks-arrangements, so suche ich mir zu einem kaffee von den ‚belegten‘ eines raus mit käse. beinahe zu jedem frühstück bekam ich ein ei angeboten, hier war es voll integriert: m-ei-oh!naise. vom grossen salat-blatt verdeckt war sie erst durch rein-beissen zu erkennen.

während ich auf den weg zum frühstück noch eine jacke brauche, ist das danach nicht mehr nötig, will sie sonne bei strahlendem himmel die luft erwärmt. zumal es immer bergauf geht ohne zu steil zu werden. am kanstein bietet sich mir ein wunderbarer ausblick. hier wird auch deutlich, dass der thüringer wald vorbei ist, das land ist offener. aber auch hier habe ich noch recht steile stellen zu bewältigen. der nächste abstieg beginnt derart steil, wie ich ihn noch nie auf der tour als abstieg hatte. zudem ist der boden vom regen noch etwas eingeweicht. mit hilfe stockes und höchster konzentration sowie beherrschtheit schaffe ich die etwa 500 meter nach unten ohne ganz-körper-berührung mit dem boden zu haben.

danach geht es dann deutlich dezenter abwärts. den tiefsten punkt, den wildunger teich, spare ich mir. aufwärts begehe ich eine löwenzahn-wiese, weiträumig umkränzt von buchen-wald unter einem leicht bewölkten sonnen-himmel. nur himmlisch!

in der ferne sehe ich ein grosses gipfel-kreuz, später stelle ich fest, es steht auf dem aussichts-gipfel sonnenstein. gegenüber liegt ein riesiger roter künstlicher bergrücken: eine kali-abraumhalde direkt neben dem dorf. das sieht miserabel aus.

das letzte stück des tages verläuft auf dem asphalt des radwegs zwischen weissenborn-lüderode und zwinge, einer ehemaligen eisenbahn-trasse. diesen nicht angenehmen wanderer-abschnitt bewältige ich besser als gedacht, weil wind aufkommt und es tröpfelt. das treibt mich nach vorne. schliesslich regnet es so, dass ich den rucksack einpacke. kurze zeit später hört es wieder auf.

wenige hundert meter vor der unterkunft erspähe ich eine tafel an der strasse, die mir deutlich macht, dass ich nun den landkreis göttingen betrete. und wenige momente später sehe ich den beleg, dass vor exakt 30 jahren genau hier noch eine unüberwindbare grenze bestand. so erklärt sich mir damit auch, warum die nächste unterkunft ‚endstation‘ heisst.
damit erreiche ich nach bayern und thüringen ein neues bundesland: nieder-sachsen.

unstrut, ohne, bahn-übergang

freitag, 26.04.2019
struth – leinefelde (27,1 km, insgesamt 591,7 km, 430 m auf, 550 m ab)

der himmel ist etwas bewölkt, aber die sonne scheint. zwischen den häusern im schatten ist es sehr kühl, aber ob der sonne ist es gerade so angenehm für mich. also lasse ich die wind-jacke erst einmal aus. der weg geht leicht bergab auf ordentlichem untergrund. dies und die ankündigung von regen für den nachmittag lässt mich zügig von dannen schreiten.

im wald wird der weg wurzeliger, ich erhöhe die konzentration auf den weg. es ist der weg entlang des landgrabens, den gestern der schuster freudig erwähnt hat. sehr lang gehe ich im wald an diesem graben entlang, der teilweise einen querschnitt von bis zu fünf auf fünf meter hat. manchmal befindet sich mein weg zwischen zwei solchen gräben. obwohl die sonne nicht mehr scheint und es so kalt geworden ist, dass ich die jacke anziehe, hat es was, auf diesem wurzel-pfad durch den buchen-wald zu gehen.

die ersten häuser von bickenriede werden sichtbar und ich überlege, ob ich hier nach einem bankomat der raiffeisenbank mich umsehe. ich frage einen jungen monteur, der in seinem auto da gerade am wegesrand steht. hier gibt es nur eine sparkasse meint er. also muss ich auch nicht unbedingt durch den ort. auf dem weiteren weg treffe ich einen weiteren mann, den ich ebenfalls frage. „gibt es, an der sparkasse vorbei, dann nach links und da ist dann gleich die raiffeisenbank.“ ich finde es auch gleich, lasse den automat geld ausspucken und komme schliesslich fast ohne umweg zu meiner tour zurück. dabei ziehe ich die jacke wieder aus, weil ich nicht ins schwitzen kommen möchte.

weiter geht es auf dem landgraben-weg, der irgendwann auch noch zum pilgerweg ‚klosterweg‘ wird (auch davon hat der schuster gestern gesprochen). der weg verläuft über einige zeit in einem regelrechten wald-streifen, der etwa 20 bis 30 meter breit ist. das hält relativ gut denn sind ab. aber kaum verlasse ich den wald und befinde mich auf freier fläche, bläst der kräftige wind unangenehm kalt. also wieder die jacke an.

im folgenden tal quere ich die unstrut, dann geht’s wieder etwas aufwärts. nach einiger zeit stehe ich vor bahn-gleisen – ohne übergang. nach komoot geht der weg drüben weiter. es ist auch ein trampel-pfad wir der bisherige zu erkennen. ich schaue und höre nach links und rechts: frei. ich überquere die schienen und suche dann die fortsetzung des weges auf der anderen seite. was die ersten meter sehr eindeutig ist, wird in der folge immer unsichtbarer. schliesslich bewege ich mich zwischen dichter hecke und feld mühselig vorwärts. dafür ist der weitere hecken-freie weg windiger.

so bin ich froh, wieder im wald laufen zu dürfen. dort finde ich eine ‚rentner‘-bank (inschrift auf der lehne!), die mich auffordert, eine vesper-pause einzulegen.

dann komme ich ins tal der ohne. auf der strasse ‚ohnegrund‘ wandere ich richtung talsperre. dort finde ich eine informations-tafel: dieser stausee wurde in den 80er-jahren errichtet, um kühl- und brauch-wasser für ein zement-werk zu bekommen. in dieser funktion wurde er nie genutzt.

auf der staumauer treffe ich einen mann, der mir erzählt, dass hier immer gleich viel wasser aus dem see abläuft. an der überlauf-mauer sieht man, dass der see-spiegel etwa 15 cm tiefer liegt. wasser, das nicht nach kommt und jetzt schon fehlt.

es sind dann nur noch zwei kilometer, als es zu regnen beginnt. ich steigere mein tempo, aber kurze zeit später lasse ich das, denn der regen lässt auch nach.

ich bin um drei uhr in der unterkunft, bekomme mein zimmer und erfahre, dass am ort nichts ist zum abendessen (in leinefelde, etwa 1,5 km). auch frühstück ist nicht möglich, wegen einer beerdigung (am kreis-verkehr nach rechts ist ein bäcker). so esse ich mein letztes vesper jetzt und dusche.

zum abendessen geht’s dann nach leinefelde: mit hunger, bei regen, etwa doppelt so weit wie angesagt. aber ich bekomme ein ordentliches warmes essen mit einem grossen bier. und ich bekomme ein super-schnelles WLAN-internet, so dass ich die fotos der vergangenen tage in kurzer zeit in den blog lupfen kann. als dank dafür und als energie-spritze für den rückweg bekomme ich noch einen espresso. ohne hunger, bei regen und schneller als hin komme ich in der unterkunft an. kleider zum trocknen aufhängen und eine heisse dusche beenden die nasse aktion.

renn-steig und renn-stieg

donnerstag, 25.04.2019
lauterbach – struth (22,7 km, insgesamt 564,6 km, 460 m auf, 340 m ab)

es hat wohl ein wenig geregnet in der nacht. zum frühstück gibt es für mich wieder einmal müsli in einem fast leeren speisesaal. dann hole ich mir mein lunch-paket ab, packe meinen rucksack und ziehe mein bett ab. beim bezahlen erfahre ich, was das mit den luchs-kameras auf sich hat (man will heraus bekommen, ob luchse auf der durchreise sind oder hier ihr revier haben).

der wander-tag beginnt mit abwärts ins mihla-tal. ich spüre an der kühlen, sehr frischen und irgendwie sauberen morgen-luft, dass es geregnet hat. herrlich, durch diese von morgen-licht durchfluteten buchen-wälder zu ziehen. die breiten forst-wege sind fast schon wieder trocken, aber aus den wiesen steiget der feine morgen-nebel in kleinen schwaden auf.

unten im tal liegt ein hof, auf dessen was eine natürliche kuh-herde grast oder döst (neben kühen auch einige kälbchen und ein stier). dann geht es wieder erst sanft, später steiler den hang hoch.

oben treffe ich auf den renn-stieg, vom navi angekündigt, glaube ich zuerst an einen schreib-fehler. aber dann sehr ich wegweiser ebenfalls mit rennstieg und an den bäumen taucht auch das grosse R auf – allerdings unterstrichen. mit fällt ein auto im wald auf, daneben sind bei dem forstwirt-bauwagen fenster und türe auf. so klopfe ich an und frage die beiden wald-arbeiter danach. das hier ist wirklich der renn-stieg und nicht der renn-steig.

die erste hälfte der kilometer hatte ich ausschliesslich die breiten forst-strassen, nun wechselt der boden-belag in deutlich angenehmeren wald-boden. das sind doch eigentlich die komoot’schen prinzipien.

kurz vor heyerode – eine ideale zeit für einen kaffee – überlege ich, ob ich die tour verlassen soll und auf verdacht mehr-kilometer in den ort auf mich nehme. sie erste abzweigung verpasse ich, bei der zweiten müsste ich etwas zurück laufen. ich entscheide, lieber die dritte abzweigung anzugehen – vielleicht treffe ich da noch auf jemanden, der mir konkreteres in sachen kaffee sagen kann. dort angekommen sehe ich ein vermehrtes auto-aufkommen auf einem nahe liegenden parkplatz. das muss einen grund haben, der für mich nützlich sein könnte. kurz darauf geniesse ich einen guten cappuccino und ein stück erdbeer-kuchen – in dem wissen, dafür keinen kilometer mehr gelaufen zu haben.

wieder unterwegs sehe ich, dass es gerade volles internet-netz gibt. nachdem gestern in dieser sache total tote hose war, versuche ich ein paar texte In den blog zu senden. sie gelingt recht gut, zumal ich warte-zeiten mit langsamem weiter-laufen überbrücken kann. nur bilder hochladen funktioniert immer noch nicht.

ich verlasse den renn-stieg und sehr ab richtung ziel-ort. der weg wird wurzeliger, daher muss ich mich nun auf ihn konzentrieren. doch plötzlich stehe ich vor einen bach in einem graben von über zwei meter breite – und sehe, wir der weg auf der anderen seite weiter geht. ich gehe ein paar schritte zurück und sehe auf einem baum neben diversen weg-zeichen das wort ‚umleitung‘. so kann ich bald den bach von der anderen seite aus sehen.

ich komme in der unterkunft an und erblicke einen zettel ab der tür ’sind gegen 16 uhr wieder da‘ – jetzt ist es drei uhr! ich frage eine einheimische nach einem schumacher im ort und erhalte die info: gleich rechts ums eck, in der parallel-strasse ist einer. das hatte ich nicht erwartet. also wechsle ich die schuhe und ziehe los zum schuster ums eck.

dort steht geschrieben: orthopädische schuhe – öffnungszeiten samstag zwischen 9 und 12 uhr. ich bin gerade ein notfall, daher wage ich zu klingeln. da geht die tür auf und ein älterer herr meint, einfach nur drücken und rein. ich beschreibe meine situation und zeige ihm den schuh, worauf er meint „kommen sie sich erst einmal herein“. er führt mich ins haus und fragt, ob ich einen kaffee wolle. so sitzen wir beide in seiner küche bei kaffee und ein paar stückchen oster-lamm und erzählen und unsere geschichten. er erfährt, woher ich bin und was ich gerade mache und ich erfahre wissenswertes über den weg und einiges von seiner familie, so dass seine frau vor elf jahren gestorben sei.

als die tassen leer sind, gehen wir in seine werkstatt, wo er die kaputte naht in kürzester zeit wieder genäht hat. geld möchte er absolut nicht, aber ob ich noch ein paar fotos von seiner familie sehen wolle. eines zeigt ihn und seine frau mit seinen kindern und enkeln beim 45sten hochzeits-tag. ein anderes bei seiner letzten geburtstags-feier (85.) im kreise seiner geschwister, kinder, enkel und urenkel. dann sehe ich noch seinen garten, seine hasen und hühner und hole meinen rucksack. und wie ich den schultere, meint er, es gebe da so einen spruch, wenn der besuch schon weg ist, merkt man, dass ein engel da war. dabei sei doch er mein engel, entgegne ich.

zurück an der unterkunft schreibe ich noch eine SMS, da kommen die wirts-leute zurück und entschuldigen sich vielmals. ich bekomme mein zimmer und – da heute abend die kinder zum grillen kommen – zum abendessen einen vollen grill-teller zusammen mit einem bier.

truppen-übungs-platz und national-park

mittwoch, 24.04.2019
kahlenberg – lauterbach (23,8 km, insgesamt 541,9 km, 680 m auf, 590 m ab)

auch wenn der wecker etwas früher klingelt, ich bin kurz vorher wach. der himmel zeigt sich grösstenteils bewölkt, als ich aus dem fenster schaue. fertig gerichtet erscheine ich unten zum etwas früheren frühstück. es gibt zwei eier, eins zum mitnehmen. und es gibt wenig wurst und käse auf dem teller, aber „wenn sie mehr brauchen, melden sie sich“. das tue ich in sachen käse für’s vesper unterwegs.

etwas früher starte ich unter einem nun blauen himmel. zwischen wald und pferde-koppel geht es sachte bergan. das ändert sich bald. zwar nicht so hoch wie gestern, aber zumindest genauso steil wird es. wegen des früheren aufbruchs kann ich mir viel zeit lassen. so ist hinauf und hinab über diesen heute höchsten ‚gipfel‘ herrlich gemütlich. zu gemütlich, weil ich wieder einmal die tour verlassen habe? im zurück merke ich jedoch, dass da kein weg ist, wo komoot einen vorgibt. oder ist das lichte zwischen den bäumen doch der ansatz eines weges? ich versuche es, aber ich habe den eindruck, dass der angedeutete trampel-pfad eher ein wild(schwein)wechsel ist. den nächsten klaren quer-weg nehme ich und kurze zeit später bin ich wieder auf der geplanten strecke.

und unten im tal bin ich dann in melborn. nach dem ort geht es wieder sanft bergan.
nicht so sanft wird es, je näher ich der autobahn komme. von weitem habe ich sie schon gesehen, jetzt höre ich die immer mehr. und je näher ich komme, desto klarer ist, heute ist werk-tag. ich muss einige hundert meter nebenher laufen. die lastwagen sind dröhnend laut, kaum auszuhalten. dann geht’s unten durch – ganz leise – und auf der anderen seite wieder das gedröhn.

zum glück entferne ich mich von der autobahn, so dass ich nun andere laute und lärm-quellen wieder wahrnehmen kann. zum beispiel einen kleinen hubschrauber, der statt dem hinteren rotor einen doppelten ausleger hat. auch fallen mir welche klein-flugzeuge auf, die alle nach hinten tiefer fliegen. dort muss ein flugplatz sein. ich muss noch durch ein industrie-gebiet durch (angekündigt durch grosse tafeln als gewerbe-gebiet eisenach). nachdem ich dies alles hinter mir habe, suche ich ein vesper-plätzchen. das findet sich als sehr provisorisches auf dem nebenan liegenden parkplatz.

die nächsten paar kilometer komme ich durch einen aufgelassenen truppen-übungsplatz der sowjet-armee. er sei nun von allerlei munition und blindgängern befreit und darf auf einer geraden strasse durchquert werden. heute ist er teil des national-parks hainich. auf grossen beton-blöcken in form von maxi-schwellen ist es schwierig normal zu laufen. die lücken dazwischen sind nur teilweise mit erde aufgefüllt, es eine ordentliche konzentration erfordert.

glücklicherweise ist der letzte teil der strecke eher ein unregelmässiger trampel-pfad, unterbrochen mit quer liegenden gräben.
dann erreiche ich einen aussichts-turm (historischer general-beobachtungs-turm bei früheren manövern), der zum besteigen reizt. von oben habe ich eine tolle aussicht über den thüringer wald und die umgebung – leider etwas diesig.

es gibt hier einen nachtigallen-rundweg, eine wildkatzen-strasse und auf meinem weiteren weg wird man darüber informiert, dass kameras am wegrand jede bewegung aufnehmen. damit sollen luchse, die hier durch gehen, aufgenommen werden. jedes bild ohne tier werde sofort gelöscht.
das letzte stück des wegs besteht in zweimaligem auf und ab, teilweise unter sonnen-einstrahlung und ordentlicher hitze. zum ziel geht’s noch ein drittes mal im wald kräftig und lang bergauf. dann kann ich in der juhe ‚urwald-life-camp‘ einchecken. ich beziehe in einem 4-bett-zimmer mein bett selbst und muss mir ein handtuch ausleihen.
zum abendessen ist der speisesaal gefüllt mit familien und kindern allen alters. es gefällt mir sehr, dem bunten und nicht ganz leisen treiben zuzusehen. es ist toll, wir kleinste kinder sehr selbstständig ihr essen organisieren. heute steht auf dem speiseplan soljanka und griesbrei mit zimt und zucker – alles zum abwinken. zudem noch salat, käse, wurst u.a. und zum feier-abend sogar noch ein bier.

am späten abend weht noch ein ordentlicher wind, und als ich das licht ausmache, blitzt und donnert es.

zwischen rennsteig und luther-weg

dienstag, 23.04.2019
floh-seligenthal – kahlenberg (wutha-farnroda) (30 km, insgesamt 518,1 km, 980 m auf, 1090 m ab)

nach richten, packen, frühstücken und bezahlen breche ich heute bereits kurz nach acht uhr auf. wie an den vortagen geht es mit dem orts-ende aufwärts. ich gehe ein stück auf einem asphaltierten radweg, verlasse ihn aber, um auf einem kleinen trampel-pfad senkrecht dazu den berg direkt hoch zu gehen. weiter oben treffe ich ihn wieder und werde auf ihm weiter geführt bis sich meine vermutung, dass dies früher eine eisenbahn-trasse war, bewahrheitet. vor mir liegt ein richtiges tunnel – für radfahrer und fussgänger! beleuchtet und knapp einhundert meter lang. unmittelbar danach gehe ich über ein eisenbahn-viadukt, unter dem die autos durch fahren. aber ich muss umdrehen, weil ich die tour verlassen habe. klar: im tunnel war nichts mit GPS. und unmittelbar danach zweigt mein weg nach unten ab. diese anweisung konnte mich nicht erreichen.

von den heutigen drei gipfeln erreiche ich den ersten vor-gipfel – den mommelstein – ganz locker auf bequemen wegen. da fallen mir, wie schon in den vortagen, die blauen, altdeutschen L an den bäumen wieder auf. wieder einmal befinde ich mich auf einen stück luther-weg. auch abwärts geht es kommod zu, zwar auf ‚autobahnen‘, aber nicht zu steil. unten um tal frage ich in brotterode einen einheimischen nach einer bäckerei. „keine zwei hundert meter auf der rechten seite – da gibt es auch einen kaffee.“ nach mehreren tagen cappuccino-abstinenz schmeckt dieser objektiv und subjektiv äusserst gut. natürlich gibt es kleine süsse stückchen dazu.

gut gestärkt und frisch motiviert gehe ich nun den (zweiten) haupt-gipfel an. im ruhigen wald ganz allein gehe ich schritt für schritt hinauf zum grossen inselberg. oben bei 916 m höhe bin ich auf dem höchsten punkt meiner gesamten tour angelangt!

gleichzeitig treffe ich auf den wander-umwobenen rennsteig („diesen weg auf den höhn bin ich oft gegangen vöglein sangen lieder. bin ich weit in der welt habe ich verlangen thüringer wald nur nach dir.“ – jodler) zu DDR-zeiten war hier eine fernmelde-station. heute wirbt man hier mit dem höchsten bett von thüringen. der sehr kräftige wind lässt mich schnell wieder abschied nehmen von diesem berg. im abstieg benutze ich die ski-piste.

irgendwo im wald – ich bin wieder völlig allein – gibt es nochmal ein vesper für mich und etwas strom fürs handy. unten in winterstein beachte ich ein kleines unscheinbares treppchen nicht und laufe wieder ins leere. aber sie korrektur lohnt sich. statt durch den ort werde ich am hang vorbei geführt – ganz ohne asphalt. allerdings ist der weg, den ich gehen will, grossräumig eingezäunt. also marschiere ich immer am metall-zaun entlang, umrunde den nächsten zaun und dünne dann ein kleines gässchen, das mich durch lässt. dafür ist der weitere weg ins nächste dorf asphaltiert, obwohl er für fahrzeuge aller art gesperrt ist.

die beginnende steigung kündigt den letzten kleinen gipfel des tages an. ein schöner weg führt mich dann wieder hinunter, teilweise von luther begleitet. das heisst, unter dem strich geht es wirklich abwärts, aber es wird immer wieder unterbrochen von aufwärts-passagen. das zieht sich und kann, vor allem am ende des tages lästig werden. dann habe ich die ortschaft vor meinen augen und versuche die unterkunft zu entdecken. doch dann sperrt ein gatter den vorgesehenen weg ab. ich begutachte schon den öffner, da fällt mir ein frisch abgemähter streifen entlang des zaunes auf. also wieder aussen herum. diesmal endet der weg im hinterhof einer kita. nun nur noch unter den bahn-gleisen durch, die gerade von einem ICE genutzt werden und dann sind es nur noch wenige meter zur unterkunft. dort bekomme ich ein grosses zimmer mit vorraum. die frau, die es mir überreicht, bittet um eine frühe frühstücks-zeit, damit sie morgen nach dienst-schluss nicht ihren bus verpasst.

auf und nieder – immer wieder

oster-montag, 22.04.2019
zella-mehlis – floh-seligenthal (25,4 km, insgesamt 488,1 km, 810 m auf, 950 m ab)

ich bin fast fertig mit rucksack packen, da klopft es am die tür. davor steht der zimmer-wirt mit zwei tüten in der hand. beide überreicht er mir mit den worten „ihr frühstück“. ich bin so begeistert wie überrascht darüber. insbesondere als ich die tüte mit den frühstücks-utensilien öffne, alles dabei, sehr schön hergerichtet auf einem glas-teller. so lasse ich mir in aller gemüts-ruhe diese mahlzeit munden. ich habe zeit bis zehn uhr, weil er seine frau noch ins krankenhaus fahren muss. letztlich mache dann noch die küche sauber und spüle das geschirr. weil noch zeit ist, schreibe ich noch blog-texte und verlasse die wohnung kurz vor zehn. auf der terrasse warte ich nur kurz bis die beiden kommen – sie mit geh-hilfen und bein-schiene. bezahlen und ein kurzes gespräch, dann ziehe ich (nach zehn uhr) los.

gleich nach dem orts-rand geht es sofort steil nach oben in den wald. irgendwann überhole ich einen mann mit stöcken, der mir erzählt, dass er eine knie-verletzung und einen bein-bruch hatte und nun wieder mit trainieren anfangen wolle. da wird mir wieder einmal klar, wie gut es mir mit meinen knochen geht. vor allem kann ich das austesten, als auf meinem weg nach oben viele bäume quer liegen. ich muss wieder einmal drunter, drüber und aussen herum. dabei zahlt sich der (vergessene) stock aus, den mir sebastian dann gebracht hat (DANKE). tasten und stützen, heben und nieder drücken – ohne ihn wäre es deutlich schwieriger geworden. auch später, wo ich über – wenn auch kurze – schlamm-wege gehen muss, ist mir der stock eine wert-volle hilfe.

oben auf dem ‚gipfel‘ zieht es kräftig und etwas kühl. da kommt es mir gelegen, dass es sofort wieder bergab und durch wälder geht. es sind zwar breite wander-autobahnen, aber es ist zum glück weniger steil wie aufwärts.

unten im tal angekommen, geht es im ort nur über die hauptstrasse und dann gleich wieder bergauf. und wiederum fasziniert mich komoot, das aus einer kleinen spur einen wanderweg macht, und tatsächlich es nach etwa 50 metern tatsächlich einer ist.

auf dem nächsten ‚gipfel‘ angekommen, fallen mir viele oster-wander-gruppen auf. es gibt für mich nur kurz ein leichtes auf und ab, dann hat komoot für mich persönlich wieder einen weg abwärts gefunden, der mich von allen leuten weg führt. in dem wald, durch den ich gehe, bin ich wieder mutter-seelen-allein. alles was ich höre sind meine schritte.

da floh-seligenthal recht lang gezogen im tal liegt, zieht sich der weg deutlich hin. ich gehe aber die ganze zeit leicht oberhalb des ortes auf angenehmen wegen. wenn ich immer wieder den blick nach links unten habe, wird mir auch klar, wir viel asphalt ich spare.

in der unterkunft schliesslich angekommen, bekomme ich ein kleines, älteres und schlichtes zimmer. im dazu gehörenden gasthaus reguliere ich meinen flüssigkeits-verlust durch die schwitz-phasen und fülle die energie-speicher wieder mit essen auf. speisekarte und essens-darbietung erinnern mich an längst vergangene zeiten.

mitten im thüringer wald

oster-sonntag, 21.04.2019
themar – zella-mehlis (28 km, insgesamt 462,7 km, 860 m auf, 720 m ab)

ostern: heute habe ich zeitlich die mitte meiner tour erreicht.

heute wird es eine bergtour verspricht das etappen-profil. es geht gleich nach dem ort aufwärts. eine kleine gruppe junger leute wünscht ‚frohe ostern‘ und einer fragt fröhlich hinterher: „wo ist die wasser-quelle?“ dann kommt es ganz steil und ganz lange so.

obwohl ich mir angewöhnt habe, im wald das navi-display mehr im blick zu haben, gelingt es mir wieder, ab von der tour zu kommen. ich merke das an einem sehr steilen abschnitt. da ist zurück gehen keine option, aber durchs unter-holz ist ebenfalls unmöglich. ich schaue, wo der ’neue‘ verläuft – zwar etwas weiter, aber führt mich auf die tour zurück.
oben auf der höhe lagert eine wander-gruppe. einer der männer spricht mich an, ob ich wolle, dass hier zehn wir aufgestellt werden. ich könne online widersprechen. ich erkläre ihm, dass mir etwas anderes gerade näher liegt und schildere meine situation. er schaut sich die navigation an, plädiert sich für den von mir gefundenen weg und beschreibt mir noch markante punkte bis zum treffen der geplanten strecke. sie wollen dann noch etwas mehr von meiner gesamten tour wissen, da bekomme ich ein gipfel-buch des schneebergs in die hand gedrückt.

auf wunderbaren wegen geht es wieder abwärts in ein seitental. am aufgestauten see komme ich mit einem wanderer ins gespräch, u.a. übers wetter. er meint, wenn es wieder so ein trockener sommer wird wie letztes jahr – und gerade sieht es so aus – geht es denn fichten mit ihren flachen wurzeln sehr schlecht.

kurz darauf erreiche ich suhl, bzw. einen vorort davon. ich hoffe auf einen kaffee in einem café und spreche ein radler-ehepaar an. sie machen mir wenig hoffnung, er meint, hier in stadt-teil hat alles zu gemacht. das nächste wäre in der innenstadt von suhl, aber das sind drei kilometer von hier. sie überlegt eine möglichkeit, wie ich über suhl an mein ziel kommen könnte. das risiko, viel asphalt unter den schuhen zu haben, ist mir zu gross. so bedanke ich mich bei den beiden und wünsche ihnen eine gute fahrt.

dann steigt mein weg aus dem ort hinaus wieder steil an. ich komme zur autobahn, an der ich ein paar hundert meter entlang laufe. ich bin froh, das sonntag ist und keine lastwagen unterwegs sind. dann geht’s wieder bergauf. während die autos in den tunnel fahren, laufe ich oben drüber.

sobald die wege breiter und bequemer sind, treffe ich wieder einige oster-wander-gruppen. auch abwärts begegnen sie mir, denn die wege hinunter sind weniger komoot, also minimalistische und unscheinbare trampelpfade. sie sind abwärts eher kommod, bequem und zügig zu laufen.

unten in zella-mehlis geht es dann richtig los mit oster-marschierern und -spaziergängern. im fuchsbau gibt es einen quark-kuchen zusammen mit einem kaffee (auch thüringer bratwürste gibt es, die mich aber gar nicht anmachen). es kommen ein paar leute zu mir an den tisch. im reden richte ich mich und gehe weiter – ohne stock, wie ich kurz darauf bei der nächsten leichten steigung feststelle. zum glück muss ich nicht weit zurück!

in der unterkunft treffe ich niemand an und telefoniere. einige zeit später bekomme ich ein ganz modernes und in edlem stil eingerichtetes zimmer mit küchen-eck. aber mir den frühstück wird es heikel: das nächste offene café ist am die drei kilometer entfernt. der zimmer-wirt verspricht mir, ein paar brötchen zu organisieren, vermutlich aber nicht vor neun uhr.

auf der suche nach einem abendessen frage ich einen einheimischen, der mit ähnliches sagt: drei kilometer weiter ist ein guter grieche, der sicher auf hat. er überlegt und meint, nach der anderen seite (von der ich komme) wäre noch ein italiener, der auf hat. er erklärt mir den weg dahin und ich bekomme ein wunderbares oster-essen. auf den rückweg zur unterkunft benötige ich kurz gps, damit ich diese wieder finde.

von der jungen rodach an die junge werra

samstag, 20.04.2019
stressenhausen – themar (21,6 km, insgesamt 434,7 km, 500 m auf, 510 m ab)

heute habe ich die räumliche, km-mässige mitte meiner tour erreicht. das ist doch ein kleines oster-geschenk – oder?

vor dem frühstück liefere ich beim bus einen bottich wasser ab. mein frühstück nehme ich neben etwa 50 weiteren gedecken ein. für die gestrige geburtstags-gesellschaft, die im haus übernachtet, ist das frühstück vorbereitet und ich bekomme freie hand: „nehmen sie sich, was sie möchten“, so die zimmer-wirtin. ich könnte in die vollen greifen, aber mein magen begrenzt die aktion. aber ich geniesse es. irgendwann tauschen die ersten (älteren) ehe-paare auf. als ich meinen rucksack schultere, kommen die familien mit den kleinen kindern. die wirtin erzählt mir beim zahlen, dass heute eine hochzeit mit knapp einhundert personen noch in ihren räumen stattfindet. dafür wirkt sie auf mich wirklich cool.

beim bus sind sie zwischenzeitlich wach und ich muss mich bei einem karten-strategie-spiel von meinem enkelsohn total abzocken lassen. als trost bekomme ich einen espresso und ein müsli (das hat drüben gefehlt), wovon ich ebenso weniger essen kann, wir es mir schmeckt.

wir vereinbaren einen treff-punkt im nächsten ort und ich ziehe schon mal los. zuvor muss ich aber noch den zimmer-schlüssel abgeben, den ich – glücklicherweise noch hier – in meiner hosentasche entdeckt habe. vorbei an der rodachs-quelle, die nur ein kleines rinnsal von sich gibt, komme ich wieder beim bus an. write laufen zusammen noch ein stück, soweit es die kinder mit lust schaffen. dann machen wir eine pause und danach heisst es abschied nehmen. während die einen richtung passau weiter ziehen, geht der andere richtung themar.

der weg führt im auf und ab am oberen hang des werra-tales entlang und schliesslich hinunter und tal. an einem alt-arm des flusses lege ich eine pause ein um magen und handy zu laden. da fährt eine mutter mit ihrer tochter auf dem fahrrad vorbei und fröhlich wünscht sie mir „frohe ostern“.

nun geht es wieder ordentlich den hang hoch hinauf bis ich kurz vor themar wieder in das werra-tal geführt werde. später schaue ich nach, ob dieser zweifache aufstieg notwendig gewesen ist. unten herum waren es tatsächlich mehr kilometer und vor allem mehr asphalt gewesen. diese erkenntnis versöhnt mich wieder mit den doppelten höhen-metern.

in der urigen kneipe des grünen baumes bekomme ich ein stilvoll eingerichtetes zimmer. beim abendessen bekomme ich dann die fetzen eine unterhaltung von ein paar fussball schauenden und zwischendurch diskutierenden männern zu hören. einer erwähnt den heutigen geburtstag des alten nazi-diktators. er bekommt postwendend die antwort: „was soll das jetzt?! das gehört absolut nicht hier her! also!“

ich geniesse mein wild-ragout mit frischen thüringer knödeln. und für die sosse wird mir extra ein löffel angeboten. zu guter letzt gibt es dann noch die info, dass es mit dem frühstück eine halbe stunde früher klappt.

in den thüringer wald und an die quelle der rodach

karfreitag, 19.04.2019
gemünda – stressenhausen (27 km, insgesamt 413,1 km, 400 m auf, 330 m ab)

heute musste ich früher aus dem federn – ich muss mein frühstück selber machen und habe danach auch noch küchen-dienst. dazwischen bzw. parallel dazu schaffe ich es dann auch, wenigstens meine wander-statistik und einige fotos in den blog zu setzen.

das gestrige wetter wiederholt sich, so dass ich wieder durch das jacken-dilemma durch muss, nur mit weniger durch-gängen. damit habe ich auch das tal verlassen und bin auf dem weg in den thüringer wald. nur komoot muss sich noch mit den wege-netzen zurecht finden. bei vier möglichkeiten, wie es weiter gehen kann, ist das navi wieder überfordert. zwei wege probiert und trotzdem neben der tour gelandet. also gibt es wieder einmal einen weg durchs unter-holz. dann geht’s wieder auf und ab.

schliesslich lande ich auf einem kolonnen-weg, eine strasse entlang der alten ddr-grenze, die aus über-dimensionierten rasen-gitter-steinen besteht. und das unangenehme laufen findet sich noch sehr steil bergauf statt! da habe ich oben auf einer bank eine vesper-pause verdient.

eine wander-gruppe kommt mir an dem platz entgegen. an anfang sind es sechs, aber dann plötzlich deutlich über zehn. und es werden immer mehr. der ‚chef‘ der gruppe erzählt, dass sie 25 sind, ein anderer meint, die übernachtungen organisieren so eine logistische meister-leistung, wir wahr. sie sind über die feiertage unterwegs und wandern entlang des grünen bands, der ehemaligen grenze, stück für stück, an den wochenenden. erinnert von ihnen möchte wissen, wohin ich gehe: „nach bremen“. ich höre, wie er dass anderen erzählt und sie fragt, ob jemand mit dem man mit möchte. ich schicke hinterher, dass wenn ich der esel wäre, es noch einen hund eine katze und einen hahn bräuchte. es gibt aber keine erkennbare reaktion. nachdem sie weiter sind, beende auch ich meine pause.

wieder geht es abwärts ins rodach-tal, bad rodach streife ich an der therme. im nächsten ort fragt mich ein etwa zehn-jähriger junge, der im hof spielt: „tust du wandern?“ ich bejahe und er will wissen wohin. so erzähle kurz was ich vorhabe.

auf dem weiteren weg muss ich durch ein tier-gatter. auf der wiese sehr ich etwas wie eine junge ziege oder ein junges braunes schaf. da bewegt es sich und ich erkenne einem fuchs, richtig dunkel-braun. vorsichtig will ich meine foto-tasche öffnen, aber er hört doch den klett-verschluss und ist mit ein paar grossen sätzen verschwunden.

dafür habe ich ein ordentliches stück weiteren kolonnen-weg zu schaffen. die rodach führt mich schliesslich nach stressenhausen, wo ich ein zimmer unterm dach bekomme, dessen tür nicht zu bleibt, ohne dass sie abgeschlossen wird. hier entdecke ich nach dem duschen meine erste blase an der rechten ferse.

sebastian kommt nun auch und lagert am sportplatz. diesmal bekomme ich bei ihnen ein abendessen.

von der itz an die rodach

gründonnerstag, 18.04.2019
mürsbach – gemünda (23 km, insgesamt 386,1 km, 290 m auf, 270 m ab)

ich komme kurz vor halb acht uhr zum frühstück, wurde jedoch erst auf acht angemeldet. ich bekomme trotzdem schon was, heisst es von der mutmasslichen mutter des (zimmer)wirts. nur die brötchen seien halt noch heiss. sie stellt mit ein paar scheiben brot dafür her. so esse ich brot bis die brötchen fertig sind.

im kleinen dorf-spar-laden kaufe ich mir noch einen lippen-pflege-stift (bekomme zwei zur auswahl!) und exakt die gewünschten zucker-freien husten-bonbons. ich hätte hier alles bekommen bis hin zu kleidern, nur suchen hätte ich müssen in den sehr mit regalen verwinkelten laden – phantastisch!

gemütlich wandere ich dann durch das tal der itz. an einem orts-anfang lädt mich eine bank zu einem ersten vesper ein: die vortags-brezel esse ich – mit etwas wasser geht’s auch leichter. und nebenbei entdecke ich in der nachbarschaft ein café, in dem ich mir noch einen cappuccino gönne. dann wandere ich aus dem tal hoch in den wald. zwischen sonnig warm und kühlem wind, zwischen geschütztem wald und offener wiese ziehe ich mehrmals die wind-jacke aus und wieder an. aber zusammen mit rucksack runter und wieder rauf wird das immer lästiger.

irgendwann bleibt die jacke an, dafür werden die lüftungs-schlitze unter den achseln geöffnet. in ermangelung einer bank erfolgt eine weitere pause im stehen, dann beginnt der abstieg und tal der rodach nach gemünda.
im haus treffe ich glücklicherweise die zimmer-wirtin bei irgendwelchen arbeiten an (wohnt woanders, und ich hätte kurz vorher telefonieren sollen). glück für uns beide: ich bekomme gleich alles geregelt, inklusive bezahlung und sie einen gesprächs-partner. es geht um wandern im allgemeinen und jakobsweg-pilgern im besonderen, außerdem um sehens-würdigkeiten in gemünda.

nachdem ich wieder frisch bin, gibt es im hof-café am ort einen fairen kaffee und eine ‚regionale‘ torte. dann statte ich der kapelle auf dem berg einen besuch ab. dir ist zwar weiter entfernt als angekündigt, aber es lohnt sich: die wände schlicht in weiss gehalten mit kleinen licht-schlitzen, vorne ein kreuz ebenso aus leicht milchigen glas. ein moderner spruch von frère roger und ein kleines besucher-buch. sehr stil-voll.

zurück im der unterkunft sind sebastian und seine familie schon da. wir vereinbaren nicht zu kochen, sondern essen zu gehen – am morgigen kar-freitag ist selbst kochen sinnvoller. der ochsen im ort ist zu, also fahren wir in die ’stadt‘ nach sesslach. wir finden ein restaurant, bei dem wir ein edles und sehr gutes ‚vor-ostern‘-essen bekommen. dann ziehen wir uns zurück aufs land – ich in ‚mein‘ zimmer und die bus-familie auf die höhe vor dem ort.

an regnitz und main

mittwoch, 15.04.2019
pettstadt – mürsbach (24,2 km, insgesamt 363,1 km, 450 m auf, 450 m ab)

ich habe besuch bekommen von einem bus – drinnen traf ich eine junge familie an, die von sebastian! nun hat es doch noch geklappt, dass wir ein stück zusammen laufen. wunderbar. das bedeutet, dass meine und unsere gemachten erfahrungen hier erst morgen stehen werden. oder noch etwas später …

ich frühstücke auswärts. wo ich gestern meine pizza geholt habe, bekomme ich sicher irgendeine art bin frühstück. ich bestelle einen kaffee und eine brezel und frage die italienische verkäuferin, ob sie butter habe. „leider nein“ – und kurz darauf, ob es auch margarine sein kann? und dann sucht sie, aber auch das ist keine da. ob ich marmelade wolle, das hätte sie da. sie will ein recht grosses glas öffnen, da protestiere ich und meine, das sei nicht nötig. sie meint nur, den rest essen die kinder und füllt etwas ab. so bekomme ich ein richtiges marmelade-frühstück und sie danach ein gutes trinkgeld.

nachdem ich gestern im vorherigen ort die reiche ebrach überquert habe, ist heute hier erstmal die rauhe ebrach dran und anschliessend die aurach. über den berg nähere ich mich bamberg-bug. weil ich nicht den stunden-takt bedacht habe, arbeite ich mich haltestelle für haltestelle (4) an die nächste abfahrt heran und habe danach etwa zwei kilometer (teilweise bergauf) mehr unter den sohlen. dann geht’s schlag auf schlag: ohne wartezeit in irgendeinen bus zum ZOB, dort unmittelbar darauf einen nach hallstadt bekommen – den asphalt der beiden städte sehr ich nur vom bus aus.

wie ich los laufen will, ruft sebastian an, dass sie in der gegend seien und wir vereinbaren einen treff-punkt. und wie ich dann wirklich los laufe, gehe ich am ortsausgang über eine brücke aus stein über den main. bis baunach fliesst das main-wasser mir entgegen. dort drehe ich ab, um die junge familie zu treffen und in der stadt suchen wir eine stätte, in der wir unsere hunger stillen können. frisch gestärkt begleiten die fünf mich noch ein paar kilometer auf den nächsten weg. vor allem bekomme ich von sebastian meinem stock überreicht, den ich beim start stehen gelassen hatte.

oben im wald drehen sie um und ich ziehe alleine weiter. doch ich habe nicht mehr auf den akku-inhalt meines handys geachtet, so geht es irgendwann im wald in die knie. ohne navi ist dies sehr heikel. also erstmal die mobile mini-strom-tankstelle anschliessen, dann nur so lange laufen bis die erste mehr-deutige kreuzung auftaucht. nach einiger zeit und einen neustart kommen aber nur sehr verzögerte reaktionen aus dem gerät. oh, ist da geduld gefragt! die ankommenden telefonate drücke ich weg. nicht noch das – das ziel finden ist vorrangig.

im zimmer kommt das handy an die steckdose und ich anschliessend unter die dusche. zu guter letzt hat der biergarten hinter dem haus kulinarisches in fester und flüssiger form bereit.

von fliessenden über stehende wieder zu fliessenden gewässern

dienstag, 16.04.2019
möhrendorf – pettstadt (28,4 km, insgesamt 338,9 km, 440 m auf, 470 m ab)

beim frühstück erzählt der wirt von einem gast, der mit surfbrett und paddel richtung alpen unterwegs war. als ich mit meinem rucksack mich draussen orientiere, in welche richtung es geht, ist mit klar, dem rhein-main-donau-kanal kehre ich den rücken. in der konsequenz heisst das, es geht erst einmal bergauf. gleich im ort sehr heftig! aber die belohnung folgt auf den fuss. es geht auch wieder leicht abwärts und vor allem, ich darf durch sonnen-durchfluteten wald wandern und durch fluren, an deren ende sich kleine dörfchen anschmiegen.

so komme ich sehr gut vorwärts. bis sich ordentliche barrieren in gestalt von umgestürzten bäumen quer zum weg vor mir zeigen. einen ersten und mächtigen stamm kann ich umgehen, es existiert ein kleiner trampelpfad um den imposanten wurzel-teller (knapp drei meter durchmesser) herum. wieder auf den weg zurück, erkenne ich, das weitere hindernisse folgen: über den ersten stamm komme ich drüber, unter dem zweiten kann ich gerade so durch. beim dritten ist das zweig-gewirr so heftig, dass auf den weg nichts mehr geht – kein durchkommen. also wieder auf ab-wege nebenraus. einfacher gedacht als getan: da liegt alles so jetzt und quer, dass ich im zick-zack-verfahren über möglichst niedrige baumstämme steige, aber auch bei möglichst hohen unten durch krieche. dabei darf ich nur mein ziel, den waldweg gedanklich nicht aus den augen verlieren.

in der folge des weges komme ich an unzähligen weihern vorbei. manchmal geht der weg ohne grossen seiten-streifen zwischen ihnen durch. bisweilen weisen tafeln auf fischzucht und auf fischerei-vereine hin. und auf vielen tummeln sich mehr oder weniger wasser-vögel aller art, vom stockenten-paar bis hin zu schwänen und graureihern. nicht alle jene ich mit namen.

um die mittagszeit überquere ich die aisch bei der laufer mühle, eine suchthilfe-einrichtung des deutschen ordens. das areal ist beeindruckend, so steht da ein klavier unter freiem himmel – kleine pflänzchen und abblätterndes furnier machen deutlich, es steht dort schon länger. leider ist der hofladen geschlossen.

wieder treffe ich eine reiterin, die ich überholen lasse. nach ganz kurzer zeit beschleunigt auch die ihr tempo. oder sind es die pferde, die mehr abstand nach hinten möchten? durch wälder und über felder gelange ich mit immer mehr hunger I’m bauch in einen ort, der nichts essbares bietet, aber einen ‚computer-lädla‘ hat. so krame ich aus den untersten regionen meines rucksacks die notfall-tüte raus und esse einen riegel um die letzten paar kilometer zu schaffen. an ende der tour hat komoot noch einen kleinen berg gesetzt, dessen aufstieg ein südhang ist. steil geht es hinauf und ich freue mich, oben anzukommen und zu wissen, jetzt geht’s nur noch runter.

wieder werden meine mühen belohnt: bei der ankunft an der unterkunft wird mir eröffnet, dass ich die sanierte „präsidenten-suite“ unter dem dach bekäme. tatsächlich bewohne ich für diese nacht ein sehr großzügiges appartement mit extra küche und wohn-ess-zimmer neben meinem schlafzimmer. das abendessen hole ich mir um die ecke beim pizza-service zusammen mit einem bier. während dieses in meinen magen fliesst, sehe ich auf der karte wie die flüsschen fliessen. am anderen eck nämlich fliesst die rauhe ebrach vorbei. im vorherigen ort habe ich  reiche ebrach überquert. beide münden in die regnitz.

nach red- und peg- nun regnitz

montag, 15.04.2019
(nürnberg) -fürth – möhrendorf (22,5 km, insgesamt 310,5 km, 150 m auf, 190 m ab)

matthias muss manchmal montags sehr früh zur arbeit – so heute. als ich wach werde und aufstehe, macht er sich gerade fertig. ich richte den frühstücks-tisch und meinen rucksack und dann höre ich schon die beiden anderen. nach den frühstück begleiten sie mich zur u-bahn-station. natürlich sind für sehr kleine jungs diese züge viel interessanter als ein abfahrender opa.

ich steige in fürth in den bus zum nördlichen stadt-rand um, damit ich möglichst wenig asphalt unter den schuhen habe. dies gelingt auch gut, denn nur wenige meter sind es, bis ich in der tal-aue der regnitz einen wunderschönen trampel-pfad betrete. ich umrunde einen solar-berg (geschätzte höhe knappe hundert meter), auf dessen süd-seite viele solar-paneele installiert sind und am nord-hang eine grosse gelbe sonne prangt.

danach geht es wieder am berühmt-berüchtigten kanal entlang, wobei ich mir neben-wege suche, die durch kleine kiefern- oder fichten-wälder führen. die sind eine wohltat im vergleich zu den geraden und es schotter-strassen am kanal. diese wäldchen sind immer für eine überraschung gut, wieder und wieder verliere ich die tour und stiefele dann durchs unter-holz. kurz vor meiner nächsten unterkunft verlasse ich den kanal, in diesen etwa vier stunden sind mir fünf fracht-schiffe entgegen gekommen und drei haben mich gemütlich überholt.

gegen später kommt mir noch ein abendessen entgegen und dann wird mich sicher auch der schlaf einholen.

vom jordan über die rednitz zum RMD-Kanal

sonntag, 14.04.2019
büchenbach – nürnberg (26,9 km, insgesamt 288 km, 300 m auf, 370 m ab)

ankunft in nürnberg bei hannah und ihrer familie. mein erster wander-abschnitt ist zu ende. und ein abend, an dem der blogtext einfach warten muss.

wo der jordan fliesst, wie ich nun regnitz und pegnitz auseinander halten kann, was ‚für mich das erste politisch‘ dümmste projekt seit dem turmbau zu babel ist, welche neuen erfahrungen ich mit franken und frankinnen machen konnte, wie das mit meinem jüngsten enkelkind so ist – über das und noch mehr ist hier an dieser stelle morgen abend mehr zu lesen.

gestern habe ich bei meiner ankunft den jordan überquert – es war mir ein kleiner schritt für mich, denn der jordan in büchenbach ist nur ein kleines bächlein zwischen zwei wohn-siedlungen. heute gehe ich nun am jordan abwärts zum frühstücken. dies bekomme ich nicht in meiner unterkunft, aber der bäcker vor ort ist auf.

im tal der rednitz treffe ich auf einen kunst-weg, wo ich an vielen stationen schauen und staunen, lesen und fotografieren muss. leider muss ich ihn verlassen, weil mein weg mich nach norden führt weiter im rednitz-tal und weiter zum rhein-main-donau-kanal. vor über 40 jahren hörte ich von diesem ‚projekt‘, das dann auf druck der damaligen bayerischen staats-regierung die schönsten teile des altmühltales zerstörten. ein bundes-minister tat dann obigen spruch vom turmbau, als schon fraglich war, ob sich dieser bau ‚rentiert‘. im sinnieren darüber beim laufen entlang des langweiligen ufers kommen mir weitere sinn-lose projekte von heute: BER, S21,…

doch dann treffe ich auf ein älteres fränkisches ehepaar mit stöcken, das meinen sinn wieder erheitert. wir unterhalten uns über wandern und pilgern, spontan und geplant, probleme und freuden. weil er beim erzählen immer wieder stehen bleibt, kommt das ganze gehen ins stocken. als dann komoot mich unter dem kanal durch-schleust, nehmen wir abschied voneinander.

bald nähere ich mich nürnberg. der hat liegt links von mir und ich bin froh, dass heute sonntag ist. dann führt mich komoot unter der autobahn durch. exakt davor liegt die baustelle einer neuen strasse. kein problem, denke ich, in der regel kommen fussgänger durch baustellen durch. dies ist auch jetzt so. unter der zukünftigen (ehemaligen?) strasse führt eine ordentliche unterführing durch. aber unter der autobahn komme ich nicht mehr vorwärts: ein rohr-schacht mit einem durchmesser von etwa 1,50 meter hält mich dann davon ab weiter zu gehen. ich hätte kriechen müssen! so suche ich mir lieber einen umweg, den ich aufrecht und bei tageslicht gehen kann.

ich dringe nun so weit in die stadt vor, dass ich an den asphalt-weges-rändern keine weichen gras-streifen mehr vorfinde. dafür tauchen strassenbahn-schienen auf. so nehme ich kurzerhand für drei stationen so eine tram und kürze das asphalt-laufen. hannah kommt mir dann entgegen zusammen mit unserem jüngsten enkelkind. mit überqueren der pegnitz ist klar, dass es jetzt nur noch wenige meter sind.

irgendwo in nürnberg verbinden sich die beiden und nennen sich dann regnitz.
ich bekomme kaffee und kekse und kann meine wäsche durchwaschen, wobei mir der enkel tatkräftig zur seite steht. dann gibt es noch eine feine gemüse-quiche. zudem bekomme ich kabel-salat-freie kopfhörer ausgeliehen, so dass ich morgen nicht mal mehr auf einkaufs-tour gehen muss. und wir haben einen gemütlichen, unterhaltsamen abend.

sandige wege und aufgeräumte wälder

samstag, 13.04.2019
hohenweiler – büchenbach
(25,3 km, insgesamt 261,1 km, 370 m auf, 420 m ab)

nachdem ich gestern einige (polnische) monteure hier gesehen habe, wundere ich mich, dass ich im frühstücks-raum niemanden antreffe. ich hätte zumindest ein paar benutzte gedecke erwartet. der radio – im nostalgie-stil – läuft und eingestellt ist der deutschlandfunk. mit beidem hatte ich nicht gerechnet. vom angebot her ist alles vorhanden: kaffee, milch, o-saft, 2 eier, brötchen (1 vollkorn), 3x marmelade (selbst gemacht, erfahre ich später), versch. sorten käse und wurst, div. müsli… alles da! nur der joghurt fehlt, fällt mir später auf. schwamm drüber – ein totales super-samstag-frühstück! die zimmer-wirtin kommt später dazu und ich erfahre einiges über die monteure.

ich ziehe los bei sonnenschein und kälte. ich wandere viel durch wald, und wenn’s mal keiner ist, auf sand-wegen. in niedermauk fällt mir auf, dass es statt strassen-namen ’nur‘ buchstaben gibt. auf B gehe ich aus dem ort hinaus. fast, denn beim letzten haus höre ich plötzlich jemanden rufen. ich drehe mich um und sehe einen hund hinter mir. ihm gilt der ruf, nicht mir. der franke, der gerade an seinem traktor arbeitet, kommt auch zu mir und meint fragend, ob ich kürzlich hier schon einmal durchgekommen sei. derjenige hätte so ausgesehen wie ich. ich erzähle ihm, dass ich nach bremen wolle, und er will wissen wie viele wochen das dauere. als ich berichte, dass ich von garmisch gestartet sei, meint er das seien doch über 200 kilometer, wie lange ich schon unterwegs sei. auf meine „zehn“ meint er, das seien ja knapp 25 kilometer täglich. aber das schaffe man in fünf, nun ja, mit pausen sechs stunden. der franke des schnellen kopf-rechnens (so kommt mir später in den sinn) wünscht mir eine gute wanderschaft und geht wieder zu seinem traktor.
der weitere weg führt mich u.a. an der bahnlinie weissenburg – nürnberg entlang – mein weg. ansonsten komme ich viel durch (kiefern)wälder. es ist oft ein sehr aufgeräumter, fast kahler wald. nur ganz oben ist es grün, aus der entfernung schimmern die stämme oben rötlich. alles andere ist braun, manchmal sogar der boden – wirtschafts-wald radikal. immer wieder kommen abschnitte, die unten herum mehr grün zulassen, manchmal liegt sogar ein wenig rest-holz herum. was absolut gut tut: es ist unheimlich herrlich ruhig im wald.
einmal kommt eine reiterin ums eck auf mich zu. als ich kurz darauf an der abbiege-anweisung zweifle und auf komoot fokussiert bin, taucht sie plötzlich aus einer anderen richtung auf. sie bemerkt dann, dass ich den gleichen weg nehme und gibt ihrem pferd für kurze zeit die sporen, um abstand zu gewinnen.

nach wald und sand-weg macht sich lust auf kaffee und kuchen breit. ich erreiche einen supermarkt mit back-stube, die sich jedoch als automat heraus stellt. so frage ich einen wartenden davor, wo die nächste möglichkeit ist. er erklärt mir den weg, den ich dann doch als relativ weit empfinde. aber ich bekomme das gewünschte. die letzten kilometer zur unterkunft gehen durch wald und wohn-gebiete.

dann werde ich mit „ah, der wanderer“ begrüsst, und erfahre gleich hinter der tür viele dinge über das haus (es ist ruhig heute, alle – monteure – sind fort), den ort und die region. dann bekomme ich mein zimmer, in dem vier betten stehen, eines davon bezugs-fertig. auch im bad sehe ich an den utensilien, dass hier noch andere wohnen.

auf dem weg mit mehr frei-zeit und für benachteiligte kinder und jugendliche