stadt-flucht

freitag, 03.05.2019
hannover – abbensen (17,3 km, insgesamt 760 km, 130 m auf, 150 m ab)

nachdem es schon am gestrigen abend ordentlich laut auf der etage zugegangen ist, wurde es auch heute recht früh recht laut. deutlich vor sechs uhr werde ich vom knallen der automatik-türen geweckt. weiter schlafen ist nur phasenweise möglich, also verlasse ich irgendwann nach sechs mein nacht-lager und fange zu packen an. nun zu einem gemütlichen und ausgiebigen frühstück hinunter. schliesslich noch den rucksack geschultert und meine zimmer-chipkarte abgegeben, dann geht es zur haltestelle.

dort benötige ich nach dem recherchieren fahr-plan für U1 zum hauptbahnhof. zu spät bemerke ich, dass die andere linie, die hier abfährt, sich dahin fährt. das ist der unterschied zwischen theorie und praxis. nach einer längeren fahrt als erwartet, komme ich dort an und suche nun die S-bahn, die mich nach norden als dem häuser- und strassen-meer hinaus fährt. ich suche vergeblich die logos für die S-bahn oder die DB, ich sehe vor mir nur ganz gross ‚parkhaus‘. so frage ich einen jungen mann, der gerade auf dem fahrrad her kommt und neben mir absteigt. nachdem er die kopfhörer abgenommen hat und meine frage angekommen ist, meint er nur kurz „ja, dahinter“ und geht weiter. ich folge ihm nach und entdecke dann das, was ich suche: das logo der DB. das abfahrts-gleis ist sofort gefunden und dort warte ich nur wenige minuten auf die S4, die ich in kaltenweide wieder verlasse.

nun noch kopfhörer und navi installiert, dann kann endlich das wandern los gehen. noch wenige meter, dann sehe ich land, die stadt liegt endlich hinter mir. jedoch geht es kerzengerade und mit einem radweg rechts der bundes-strasse aus dem ort hinaus. bei der autobahn-unterquerung kommt mir ein in sicherheits-klamotten bekleideter radfahrer entgegen. beim vorbei fahren ruft er mir zu: „guten morgen, wandersmann!“ da scheint die sonne doch gleich heller und wärmer, auch wenn real ein kalter nordwest-wind weht.

an die fünf kilometer muss ich nun an dieser anfangs stark nicht belebten, sondern befahrenen strasse entlang laufen. der auto-lärm ist heftig, auch von PKW, wenn es mehr hinter einander sind. etwas mehr als eine  stunde lang geht das so und es ist schwierig zum aushalten. wie geht es menschen, die an so einer strasse wohnen müssen! sich wenn man sich irgendwie arrangiert – der lärm ist trotzdem da. irgendetwas ist doch da faul im staate däne… deutschland!

in scherenbostel darf ich endlich weg von dieser strasse. und ich darf wieder durch wald laufen, hier im norden deutschlands. an den weg-zeichen sehe ich, dass ich mich nun auf dem europäischen fern-wanderweg E1 befinde.

aber auch den verlasse ich und finde in der folge auf einer wald-lichtung einen ’schreber-garten‘, in dem ein mäh-roboter gerade unterwegs ist. ich beobachte ihn, was jedoch auf ihn irritierend zu wirken scheint. das gelände ist frei, der jedoch nimmt von der kinder-schaukel die halte-stange ins visier – frontaler zusammen-stoss! er denkt wohl kurz nach (algorithmisch), fährt dann weiter und nimmt aber ums haar die andere mit. mäh-fähig?

in brelingen bestaune ich eine über 20-köpfige pferde-herde. dann ändere ich die route durch die stadt hindurch, um die chance auf einen kaffee zu erhöhen. diesmal erfolglos – trotz einholen einer zweit-meinung. und eine bratwurst vom stand macht mich gar nicht an.

hinter dem ort geht es über wiesen weiter. dabei umfliegen mich tief fliegende schwalben, teilweise im sturz-flug und kommen mir auf knappe zwei meter nahe. ich scheuche wohl mücken auf dem weg auf, was die vögel dann nutzen. schwarze, aber überschaubare wolken ziehen über mich weg und es tröpfelt immer wieder ein wenig, zwischendurch scheint dann auch wieder die sonne.

mein ziel ist in sicht, abbensen ist ein kleiner ort, die unterkunft ist sofort gefunden. dort werde ich um zwei uhr begrüsst, wie wenn ich erwartet werden würde. nach einer dusche und einem kleinen nickerchen (nachholen von etwas schlaf der letzten nacht) mache ich mich ganz langsam fertig zum abendessen im restaurant nebenan. während ich esse kommt ein älterer herr vorbei (ich vermute der mann meiner zimmer-wirtin), kommt auf mich zu mit einem „die sind sicher unser gast drüben“ und drückt mir die hand. vor dem bezahlen will auch der wirt etwas zu meiner wanderschaft erfahren (ich habe gehört…).

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