land – dorf – land

samstag, 04.05.2019
abbensen – steimbke (21,5 km, insgesamt 781,5 km, 120 m auf, 130 m ab)

nachdem ich das fenster geöffnet und die luft gefühlt habe, ist mir klar: heute brauche ich – nach dem zwiebelschalen-prinzip – eine schicht mehr. so gehe ich 4-lagig aus den haus. es ist blauer himmel, aber es weht ein sehr kalter wind.

ähnlich wie gestern geht es kerzen-gerade aus dem ort hinaus, an der landes-strasse zuerst mit, dann ohne rad/fussweg. zum glück ist es samstag. in helstorf führt eine brücke über die leine, dann geht es über die wiesen.
zeitweise sind zwischen weg und (raps)feld kleine etwa ein meter hohe hecken gepflanzt. das ist sicher auch wind-bremse, aber es tummeln sich vögel darin. so kann ich einem stieglitz-paar sehr nahe kommen und anschliessend kommen wir ein stück gemeinsam vorwärts: wenn ich zu nahe bin, flattern sie ein paar meter weiter. später sichte ich zwei holz-gestelle in einem acker, sie sich nach ein paar schritten als leibhaftige rehe herausstellen. der wind steht günstig für mich. sie schauen zwar immer wieder nach mir, aber ich kann mit viel vorsicht und langsamkeit doch ein foto von ihnen machen.

der wind pfeift sehr kalt von vorne oder von links her, so dass ich dir hände in die taschen stecke: schön ab abwechselnd wegen des stockes. handschuhe legen daheim – im warmen.

auf einer weide grast eine pferde-herde, darunter eine stute mit ihrem fohlen. es ist toll anzusehen, wie es immer wieder seine typischen luft-sprünge macht.

daneben ist ein spielplatz des schützen-vereins mit einer schön von kindern bemalten hütte, ein wind-sicheres plätzchen für eine pause zum vespern. da kommt ein frontlader her gefahren mit müll-säcken vorne in der schaufel und der fahrer leert den müll-eimer neben ‚meinem‘ rastplatz. als erstes den rucksack sieht meint er „aha, pause. und wohin des weges?“ ich erzähle ihm, von wo nach wo ich unterwegs bin, worauf er antwortet: „und dann kommen se in lutter mit seinen zweihundert einwohnern durch.“ wir reden noch über die schöne gegend in der ebene hier mit ihren prächtigen alleen. zum schluss verabschiedet er sich mit „na, dann kommen se gut nach bremen“, klopft mir auf die schulter, nimmt armen plastik-sack und geht zu seinem fahrzeug.

am mühlen-teich in laderholz sitzt ein (wild?)enten-paar am ufer und nachdem ich genauer hinsehe, erkenne ich drei oder vier ganz kleine küken am bauch der mama.
ihnen gegenüber liegt die mühle mit einem grossen unterschlächtigen mühl-rad und daneben noch ein kleines. eine info-tafel gibt auskunft, dass im letzten herbst hier korn gemahlen wurde, es sei im grossen umkreis die best erhaltendste mühle.

der weg geht weiter wieder absolut geradeaus. der belag besteht hier auf grauem sand, teilweise it er richtig weich. dabei wandere ich durch einen wind-park mit mindestens zwanzig rädern. ein gutes gefühl, nur wenn ich mit weniger als fünfzig metern abstand an so einem ding drunter weg laufe, ist mir schon ein bisschen mulmig.

nachdem heute vormittag nur weisse wolken an blauen himmel waren, sind nun dunklere her gezogen. die ganze zeit über beobachte ich wind-richtung (super zu sehen an den wind-rädern) und wolken-farbe und -grösse. einige der sehr ganz dunklen gehen glücklicherweise an mir vorbei. trotzdem gehe ich etwas flotter. eine recht breite schwarze kommt auf mich zu, es sind keine fünf kilometer zur unterkunft. sie treibt mich nach vorne, nur der wind bremst meinen schritt. dann fängt es an zu tröpfeln. unter einem baum kann ich den stock an den stamm lehnen und den hut an einen ast haben m hängen. so stören nur diverse ohr-anhänge beim überziehen des capes, das ich ja auch über den rucksack bringen muss. und natürlich stört massiv der kräftige wind. schliesslich habe ich es geschafft und kann weiter gehen. lange regnet es nicht und als ich um die nächste ecke biege, ist vor und über mir der himmel wieder blau. zudem komme ich etwas ins schwitzen, so dass ich eine ecke weiter von den fünf lagen zwei (cape und pulli) wieder entferne. das ist so lange angenehm bis der wind wieder auffrischt. aber es scheint wieder die sonne wie den ganzen tag schon – mit der zehn-minuten-ausnahme des schauers.

in der unterkunft esse ich zuerst mein brötchen, das ich auch mitgenommen habe, aber aus gründen der wetter-unbeständigkeit nicht unterwegs verzehren konnte.

zum abendessen im restaurant bin ich erst ganz allein, „jetzt ist abendmahl-feier, morgen ist hier konfirmation“, meint der wirt. dann kommen nach und nach ein paar einheimische männer, frauen kommen vorbei, um letzte dinge für morgen abzuklären. man spürt, hier und jetzt ist dorf. als dann das spiel bremen gegen dortmund angepfiffen wird, geht der fernseher an. auf meine frage nach der frühstücks-zeit meint der wirt nur „alles nach acht ist okay“. für mich auch.

Ein Gedanke zu „land – dorf – land“

  1. Hallo nobe,
    ich vermute du bist heute in der Umgebung von Eystrup und hast nun noch ca. 50 km vor dir. Heist, du könntest am Montag bei Lisa sein.
    Haben wieder mit Begeisterung deinen Tagesbericht gelesen und deinen Weg wie immer auf der Karte verfolgt und wieder einmal hast du unsere volle Bewunderung für dieses Projekt und dein unerschütterliches Durchhalten.
    Also Endspurt lieber Schwager. Bis bald. Liebe Grüsse aus Heidenheim wo es heute ganz leicht geschneit hat.

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