wald im hohen norden

sonntag, 05.05.2019
steimbke – stöcken (rethem) (17,1 km, insgesamt 798,6 km,  90 m auf,  120 m ab)

dem offenen-fenster-test zufolge ist es heute morgen nicht deutlich wärmer als gestern früh. so ziehe ich mich wieder vier-lagig an. als ich nach dem frühstück mich auf den weg durch den ort mache, ist es so richtig schön warm. so entferne ich am orts-rand eine schicht und – nachdem ich im wald bin – kommt auch der pulli in den rucksack. es ist ein richtig schöner sonniger sonntag, den ich ganz gemütlich an-laufen lasse.

die wälder hier sind geprägt von den birken. so ist es auch eine solche, die sich quer über den weg gelegt hat. wie an anderen tagen in den mittel-gebirgen muss ich vom weg ab durch das unterholz – nur deutlich weniger aufwendig und mühsam! ansonsten kann ich auch hier, wenn ich stehen bleibe, sie wunderschöne stille hören.

aber mein fotoapparat macht mir immer mehr sorgen. er will nicht starten, sondern teilt mir mit, dass ich die batterien wechseln soll. sie sind jedoch mindestens noch halb voll. mittels tricks kann ich mit etwas anlauf noch fotografieren.

schilder weisen mich darauf hin, dass ich nun ins lichtenmoor komme, das bisher grösste auf meinem weg. wenn wege links oder rechts abgehen, so steht ein schild dran, dass diese verboten sind zu begehen – ein natur-schutz-gebiet. später zeigt mir komoot prompt einen abzweig an, wo keiner ist. es ist nichts zu sehen, was wenigstens einem trampel-pfad gleich kommen könnte. zudem müsste dann auch über den doch etwas grösseren graben ein steg da sein. nichts, das heisst, auf die karte schauen. entweder geradeaus weiter oder zurück bis zum letzten abzweig und dort nach der anderen richtung weiter. erinnerungen an den harz werden wach – nur nicht so bergig und so nass. ein stück zurück ist kürzer, sagt die karte, also drehe ich um und gehe dann immer geradeaus. mal sehen, wie es sich entwickelt.

zuerst einmal höre ich laute ’schreie‘ uns überlege, von welchem tier sie sein könnten. als die sträucher den blick frei geben, sehe ich zwei helle vögel in storchen-grösse, aber mit einem dunkleren hinterteil. reiher? sind zu schnell weg, als dass ich sie richtig anschauen konnte. nun bin ich vorbereitet und beobachte mit gezückter kamera die wiesen durch die sträucher hindurch. ich kann sie schliesslich wieder orten und warte – mich vorsichtig fort bewegend – auf einen kleinen freien blick. als ich den bekomme, ziele ich – und weg sind sie wieder. das foto zeigt nur sehr verschwommen den fliegenden vogel.

mehr erfolg habe ich mit dem alternativen weg. es kommt tatsächlich ein begehbarer wie in der karte angezeigt. gerettet – ich muss nicht noch weiter zurück! nun bin ich so richtig mitten im moor/natur-schutz-gebiet, dass die jäger-stände die einzige zivilatorische einrichtung sind (ausser dem weg). am letzten eck vor dem wieder-treffen der geplanten tour steht eine bank, die zu einem vesper einlädt. das gestaltet sich eher kürzer, da die umgebungs-temperatur sich reduziert hat.

und wieder erinnert es mich an den thüringer wald und an den harz: am wegesrand stapeln sich abgeholzte fichten-stämme. damit hatte ich nicht im geringsten gerechnet. auch hier im hohen norden gibt es wälder, die wirtschaftlich genutzt werden, die dimensionen sind andere.

wie ich den wald verlasse, sind am himmel einige sehr dunkle wolken. ich prüfe die wind-richtung und bereite mich innerlich auf regen vor. der kommt dann auch, so dass ich den foto in den rucksack stecke und diesen mit dem regen-schutz versehe. nach etwa zehn minuten bin ich unter der regen-wolke durch und kann beim nächsten foto-motiv wieder auspacken. auch die sonne ist wieder da. das ganze wiederholt sich dann noch einmal etwa zwei kilometer vor der unterkunft.

an dieser angekommen, gerate ich in eine geschlossene konfirmations-gesellschaft. die zimmer-wirtin geht trotzdem mit mir zu meinem heutigen zimmer und verspricht mir kaffee und kuchen, wenn ich nicht vor drei uhr rüber komme (dann wird auch für die feiernden aufgetragen).

nach einrichten und frisch machen bekomme ich dann auch in einem séparée das gewünschte. sie kommt dann auch kurz dazu und möchte wissen, woher ich heute komme. ich erzähle ihr kurz meinen weg und die meint, mit dem rad wäre es üblicher, aber im vergangenen jahr wären zwei frauen auch zu fuss hier vorbei gekommen. das abendessen verabreden wir auf eine stunde nachdem die feier beendet sein dürfte.

Ein Gedanke zu „wald im hohen norden“

  1. Ja , auch Deutschland ist interessant. Dann wir d man hier auch immer wieder angesprochen. Du hast ja vieles erlebt, Nobe.
    Grüße Agnes
    wollte einfach ausprobieren, ob dies ankommt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.